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Meine Mauer

Es hat lange gedauert sie zu erbauen, Stein für Stein erbaute ich sie, mit großer Sorgfalt füllte ich alle Fugen und verputzte sie. Massiv und schützend sollte sie sein, um das Weiche in der Mitte zu schützen. Bald hatte ich einen ansehnlichen Burgwall und begann mich einzurichten, kleine Pflanzen zu züchten und mit Farbe die Monster der Außenwelt auf die innere Mauerseite zu malen. Da saß ich nun in meiner Schutzzone und genoß die Ruhe und die Sicherheit. Endlich brauchte ich keine Angst mehr zu haben, endlich konnte ich Abstand halten. Irgendwann wurde es etwas öde, also buddelte ich weiter nach unten, eine tiefe Grube nannte sich von da an mein Bett. Die Sonne hatte Schwierigkeiten mich noch zu erreichen und nur der Regen erreichte mich und bildete langsam Pfützen in meinem Bett.

Da lag ich nun, nein nach einer Weile konnte ich nicht mehr liegen, ich stand knietief im Wasser. Mir wurde kalt, die Gemälde an der Innenwand begannen sich aufzulösen, eine braune Brühe war meine einzige Gesellschaft. Irgendwann hatte ich vergessen wie ich hier her gekommen war, warum ich hier war. Meine Füße waren schon ganz aufgequollen, ich lehnte mich an die Wand meines Burgwalls, einen Notausgang hatte ich bei der Planung wohl vergessen, nur ein Licht am Ende des Turmes.
Gib mir Regen, mehr Regen, damit ich nach oben schwimmen kann, ich möchte sehen was da draußen vor sich geht, - nur zur Sicherheit.

Eine große Wolke erhörte mich, sie bedeckte meinen Himmel, Tropfen fielen auf meinen Kopf, irgendwann stand mir das Wasser bis zum Hals, ich begann zu schwimmen, irgendwann erreichte ich die Wolke fast und setzte mich auf den oberen Mauerrand zur Observation. Sollte ich springen? Es wird kein zurück mehr geben, was ist wenn die Monster warten? Ich rief herunter. Nur mein Echo. Nichts zu sehen, außer grüne Wiesen. Ich hatte Angst, vor dem Sturz, dem ausgeliefert sein, schaute zurück in meinen Tümpel voll braunem Wasser. Was hast du zu verlieren? Eine Karriere als Eremit und Fischzüchter?

Ich lies los, zu lange hatte ich mich festgehalten, ich flog in die Wolken, dann meterweise Mauer hinab, irgendwann spürte ich grünes, weiches Gras unter meinen Füßen. Es fühlte sich phantastisch an, die Sonne wärmte meine weiche und helle Haut, ich lächelte. Vorsicht da hat etwas geraschelt, ich schaue zu meinem Turm zurück, bin unsicher, möchte mir ein Loch graben, suche Schutz. Ein Busch schien mir ein geeignetes Exil, zitternd sprang ich in ihn hinein. Das saß ich nun, ängstlich bibbernd im Busch und versuchte heraus zu finden woher das Rascheln kam. Etwas berührte meine Hand, Hilfe! Ich schrie und sprang zur Seite. Suchte mit meinen Blick nach Monstern, doch was ich entdeckte war ein kleiner nasser Hase, er zitterte und schaute mich mit großen ängstlichen Augen an. Ein Hase genau wie ich, ein Angsthase! ;-)

vinetastraße
Liebesblüte - 7. Jul, 15:27

eine wunderschöne Geschichte..

und Du hast so recht; wir haben alle Angst vor Verletzungen und sind alle verletzt worden. und doch bedeutet Schutz vor der Welt nicht nur Schutz vor Verletzungen sondern auch Schutz vor der Liebe...und dann ist man nur noch wie tod.
Schön daß Du aus dem Turm gepsrungen bist. Ich glaube es gibt eine Tarot Karte die so ähnlich aussieht: vom Turm des EGO runterspringen ins Leben hinein und seine Verletzlichkeit annehmen

NBerlin - 7. Jul, 15:57

Ich bin gesprungen, fühle mich aber noch sehr unwohl und denke immer wieder an einen neuen Turmbau. Was hilft ist zu sehen das es vielen auch so geht, das ich nicht allein bin, das sogar Menschen die ich als Feind bezeichnen würde, vieles gemeinsam mit mir haben, es beruhigt und schafft Zuversicht.:-)
Anna Kühne - 10. Jul, 16:56

Herzlichen Glückwunsch!

Ich war einundzwanzig, als ich das erste Mal zu springen wagte, und mit Mitte Dreißig befreite ich mich dann von den letzten Mauerresten. Das las sich so und so.
NBerlin - 10. Jul, 17:10

Danke bin wohl ein Spätzünder, die Fundamente zu meinem Turm habe ich erst mit 15 gelegt und ich glaube am Anfang gab es auch mal ne Tür in meinem Turm.......
Den zweite Text mit dem Vogel mag ich sehr, ich kann ihn fühlen. :-)
Hoshi - 7. Jul, 15:30

WOW, du schreibst soooo toll und du beschreibst
einen Zustand, den ich leider nur zu gut kenne. :-(

NBerlin - 7. Jul, 15:47

;-) und was willst du mal werden, wenn du kein Hase mehr bist?
Hoshi - 7. Jul, 15:57

Tja, wenn ich das mal wüsste...
NBerlin - 7. Jul, 15:58

Hoppel schon mal los, vielleicht fällt es dir auf dem Weg ein! ;-)
Jofe (Gast) - 7. Jul, 16:01

Dann hat man seinen Turm verlassen, schutzlos der bösen Welt und den Monstern ausgesetzt. Doch man kann langsam Vertrauen finden und plötzlich ist die Welt gar nicht mehr so böse, eigentlich nur das was man selbst daraus gemacht hat. Und das Beste, wenn man dafür offen ist, kann man die Monster genau sehen, und unter ihren Verkleidungen die sie (meist) nur tragen, stecken die selben kleinen zitternden Angsthasen.
Schön, dass du wieder trockene Füsse hast und die Sonne geniessen kannst.
Du weisst ja: //www.youtube.com/watch?v=bcLZP7GCke0

NBerlin - 7. Jul, 16:15

Gebe ich ungern zu, aber ja die Welt ist so wie man sie sehen will, auch meine Welt, eine Missgeburt meiner schlechten Erfahrungen und Ängste, dessen Mittelpunkt immer ich war.
Trockene Füße habe ich nicht, aber Boden unter den Füßen.
Guter Song zu dem Thema....:-)
Lo - 7. Jul, 16:19


NBerlin - 7. Jul, 16:21

*lol* du bist einfach klasse! Diesen Niemand sollte man echt mal suchen gehen und ihn ordentlich vermöbeln. ;-)
atomicbunny (Gast) - 8. Jul, 08:28

Sehr schön geschrieben und sooo wahr! Denn glaube mir. Mit Hasen und Monstern (oft auch in Personalunion) kenne ich mich aus... ;-)

NBerlin - 8. Jul, 10:11

Das glaube ich dir ungesehen! ;-) Dachte mir das dir der Bunnyanteil gefällt. ;-)
Malte - 8. Jul, 11:37

Im Leben geht es darum, die richtige Mischung aus Introvertiertheit und Extrovertiertheit zu finden. Die Extreme führen beide zu einem schwierigen Leben...

p.s. sorry wegen dem Stöckchen. Bin aus prüfungstechnischen Gründen nicht dazu gekommen es zu übernehmen ;-)

NBerlin - 8. Jul, 13:30

Ja, die golden Mitte wie man so schön sagt....bin leider ein extremer Mensch, aber auch das kriege ich noch in den Griff.....

Macht nix lass dir Zeit so ein Stöckchen wird ja nicht schlecht. ;-)
Anfängerin - 8. Jul, 23:22

Ach ja, die Mauern kenne ich auch. Und jetzt bin ich hier... :-)

Übrigens: Gratulation zur 800!! :-)

NBerlin - 8. Jul, 23:40

Das ist schön das du da bist, vor der Mauer tanzen ist auch viel schöner, als hinter der Mauer! :-) Ups das hätte ich doch glatt übersehen! ;-)
Legatus - 9. Jul, 07:36

Hach...jeder hat so seine Mauern...die einen nur ne kleine Ziermauer, die anderen den 10 Meter dicken Betonschutzwall. Mauern an sich sich doch eigentlich gut. Man sollte nur ne Tür, oder zumindest ein Fenster drinnen lassen. Falls du also mal wieder eine bauen willst, denk an die Tür. Dann musst du nämlich nit mehr springen, sondern nur noch die Klinke drücken :)

NBerlin - 9. Jul, 10:25

Das wäre jetzt aber zu einfach- so ne Tür oder ein Fenstern benutzen. ;-)
Hoshi - 9. Jul, 10:33

Der Gedanke gefällt mir....
Legatus - 9. Jul, 10:42

Manche Dinge dürfen ruhig einfach sein ;)
Hoshi - 9. Jul, 10:56

Es ist so typisch Mensch: "Warum einfach, wenn es kompliziert geht, gell? " ;))
NBerlin - 9. Jul, 11:14

Genau! :-) Bin ich noch ich, wenn es einfach wäre? ;-)
Legatus - 9. Jul, 12:07

Gerade wenn es einfach geht bist du ganz du selbst...weil du dann nit drüber nachdenken musst sondern einfach aus deiner Person raus reagierst :)
NBerlin - 9. Jul, 14:32

Hm auch wieder wahr, aber ich ich bin doch sonst eher eine Person die großes Gedankenkino liebt. ;-)
Legatus - 9. Jul, 15:15

Kann ich bekannterweise ja sehr gut nachvollziehen, aber warum nit mal positives Kino? Mit sich öffnenden Türen und Fenstern und so ;)
NBerlin - 9. Jul, 15:20

Sowas soll es ja geben, habe ich gehört. ;-) Bei mir laufen solche Filme viel zu selten, ich sollte das Sommerprogramm wohl nochmal mit der Programmchefin absprechen. ;-)