Psychose

Dienstag, 15. August 2017

Verloren und bedroht

Ich habe alles verloren, was mich einst ausmachte. Meine Gesundheit, meine Karriere, meine Freunde und mein gutes Aussehen. Vielleicht verständlich, wenn man dann daran denkt das Leben zu beenden. Aber ich habe weitergelebt, Tag für Tag, Woche um Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Vieles ist für immer verloren, manches konnte ich zurückgewinnen. Das Wichtigste ist wohl die Gesundheit und die Freunde. Ohne kann man nicht leben. Mein Aussehen ruiniert durch medikamentenabhängige Zunahme, aber mein Herz lebt wieder und mein Kopf funktioniert auch wieder hervorragend.

Ich habe mir ein neues soziales Netz erbaut, es ist kleiner als mein vorheriges, aber es besteht nur aus Menschen die mich gesund und krank zu schätzen wissen. Wertvolle Menschen, Qualität statt Quantität. Auch wenn ich kugelrund bin, mein Kopf hat einiges zu bieten, ich habe schon viel erlebt und gemacht und kann mich nützlich machen. Doch die Krankheit droht immer, hat mich achtsamer gemacht, nie wieder sich selbst vergessen bei der Arbeit. Aber ich will mich auch nicht damit abfinden mein Leben lang arm zu sein, mein Leben lang irgendwelche Hilfen zu kriegen und Jobs zu haben, die meine Talente nicht ausreizen. Ich will nicht resignieren, mir einen Stempel aufdrücken lassen und mich auf dem Schoss der Gesellschaft ausruhen, aber die Krankheit droht.

Sonntag, 15. Januar 2017

Gehe mir doch mal auf den Sack!

Die Zeit der Krankheit war nicht gerade förderlich für nette Gesellschaft, denn in fast jeden Mitmenschen sah ich einen Spion, Manipulator oder Gedankenleser. Also isolierte ich mich und war mir von da ein Selbstunterhalter, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach der Krankheit unter Medikamenten war ich das größte Harmonievieh auf Erden, ich sagte selten was, ließ mir fast alles gefallen war dankbar für jede Gesellschaft, auch die Gesellschaft von Arschlöchern.

In letzter Zeit hat sich das aber wieder geändert, sogar ganz liebe Menschen gehen mir mit ihrem Verhalten manchmal auf den Sack. Die Eine hält Monologe die immer länger als 5 Minuten am Stück gehen, der Andere kritisiert mich öffentlich, die Nächste meckert ständig und der Übernächste ich einfach zu aufdringlich. Schön das ich wieder was merke und meine Grenzen erkenne, schön das diese Menschen mir wieder auf den Sack gehen. Das war lange nicht so, das zu erkennen macht mich ein Stück weit glücklich, mein neues Motto scheint zu sein: Gehe mir doch mal auf den Sack! :-)

Dienstag, 3. Januar 2017

Phönix aus der Asche

Der Tag an dem ich das letzte Mal starb war im Sommer 2013. Ich war sehr lebendig als ich in die Klinik eingewiesen wurde, sehr kreativ, sehr eloquent, hübsch, sexhungrig, nur lebensmüde vom Wahnsinn und der Paranoia. Meine Stimmen hatten mir vorher gesagt dass sie mich im Klinikum schlachten würden, so kam es auch. Nein keiner hat mir ein Haar gekrümmt, aber ich wurde eingesperrt und mit hochdosierten Medikamenten ruhig gestellt und so starb ich täglich einen fortlaufenden Tod. Alles was ich war schien verloren, ich sprach nicht mehr, ich aß für drei, hatte irgendwann keine Ideen mehr, nur noch vegetieren, am leben ja, aber innerlich tot. Das ging auch nach der Klinik so weiter, ich wurde immer mehr, hatte keine Orgasmen mehr, konnte nicht schreiben und reden und hübsch wirkte ich wohl nur auf Leute die auf Roboter mit Gesichtskrämpfen stehen. Jahre gingen ins Land und ich versuchte zu schreiben, versuchte mich zu unterhalten und scheiterte immer wieder. Alles was mir blieb waren das Essen und der Schlaf. Freunde, Freunde hatte ich mal, doch es blieben nur zwei Freundinnen die mich so krank ertrugen. Ich sei eine Fremde, ein neuer Mensch sagte man mir. Doch diese Fremde war wenig attraktiv oder unterhaltsam. Mit Männern lief gar nichts mehr, sehr lange, aber ich vermisste auch nichts, außer vielleicht die Zärtlichkeit. Doch ich durfte wieder erwachen, es hat lange gedauert, erst konnte ich wieder tanzen und Musik spüren, dann wieder lachen, aber reden und besonders mit Fremden war immer noch ein großes Hindernis. Dann kam der Protest, das ist kein Leben mehr, ich will nicht vegetieren, ich will nicht mit Tabletten künstlich am Leben erhalten werden und trotzdem tot sein. Weniger Medikamente und die Ideen kamen wieder, ja auch die Liebe kam wieder, dann die Orgasmen und schließlich auch die Worte. Eines Nachts kamen die Tränen wieder, nach drei Jahren ohne Tränen und langsam werde ich wieder erkannt, ich bin wieder ich, ich bin der Phönix aus der Asche.

Freitag, 9. Dezember 2016

Die Wahrheit

Das mit der Wahrheit ist schwierig. Lerne ich neue Menschen kennen erzähle ich erstmal nichts von meiner Erkrankung. Man muss die Leute ja nicht gleich verschrecken mit hochdramatischen Geshichten aus der Psychiatrie. Geht es allerdings um eine Beziehung muss man irgendwann Tacheles reden, bisher hatte ich bei meiner Bekanntschaft ein gutes Gefühl, weil er viele kranke Menschen kennt und mit ihnen befreundet ist. Heute sprach er jedoch davon sich jetzt mal von den Psychos zu trennen, dabei ist er aus meiner Sicht selbst ein Psycho. Wenn er wüsste wie schwer ich mal erkrankt war, würde er mich meiden? Noch kennen wir uns kaum, aber nach dem Satz heute werde ich wohl weiter schweigen. Vielleicht breche ich auch selber den Kontakt ab, keine Ahnung. Es ist wohl wie die Ärzte so schön sangen: Wollt ihr die Wahrheit hören? Und das Publikum antwortet nur laut: NEIN!


Montag, 5. Dezember 2016

Frust: Parkinsonschen Blickfeldkrämpfe

Seit ein paar Monaten zucke ich ständig mit den Augen, bzw. schliesse meine Augen besonders oft, weil sie einfach verkrampft sind. Also heute mal bei der Psychiaterin angesprochen, auch wenn ich dachte das liegt am Magnesiummangel oder Stress. Sie diagnostisierte ziemlich schnell: "Parkinsonschen Blickfeldkrämpfe" eine Nebenwirkung meines Medikaments gegen Psychose. Scheiße, das heißt jetzt wieder Atkineton, was ich eigentlich erfolgreich abgesetzt hatte. Aber nachdem mich jetzt schon mehrere Personen auf meine Blickkrämpfe angesprochen haben war der Leidensdruck einfach zu groß um es zu verheimlichen, nur damit ich ein Medikament weniger nehmen muss. Frust, denn eigentlich ist mein Medikament jetzt schon niedrig dosiert und trotzdem habe ich die Nebenwirkungen eines Parkinson Kranken. Ich hoffe das hört auf, habe gerade meine erste zusätzliche Tablette genommen, die Blickkrämpfe sind schon ätzend, aber vielleicht werde ich sie ja bald wieder los.

Sonntag, 27. November 2016

Vegetation, PsychKG und Medikamente

Lang geschlafen und seltsame Sexträume gehabt, aber besser als Alpträume. Keine Mails von der besten Freundin, denn die muss heute arbeiten. Musik tönt aus den Boxen. Heute ist Reinemach-Tag, der Haushalt ruft, aber ich habe Zeit, erstmal Kaffee trinken und aufwachen. Das neue Buch ist gut, beeindruckend fand ich die Stelle in der beschreibt das psychisch Kranke doch bitte nach ihrem ersten Vorfall sich mit Medikamenten zudröhnen sollen und den Rest ihres Lebens vegetieren sollen.

Vegetiert habe ich jetzt auch Jahre, aber zum Glück habe ich einen Ausweg gefunden, weil ich mich einfach nicht mit Vegetation für die nächsten 40 Jahre abfinden wollte. Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, wäre es bei Vegetation geblieben. Denke ich bin auf einen guten Weg, meine Belastbarkeit ist fast wieder normal und meine Ausbildung hilft mir mich zu entfalten und mich immer mehr zu erproben. Es ist schon sehr bezeichnend dass im PsychKG steht, das eine Behandlung mit Psychopharmaka die über 6 Wochen hinaus geht ein Gerichtsurteil erfordert. Das zeigt doch dass Psychopharmaka so sehr in die Persönlichkeit und Lebensqualität eingreifen, das man sie nicht länger als 6 Wochen nehmen sollte.

Bei mir gab es nie ein Urteil, aber ich habe die Medikamente freiwillig genommen, trotz der ganzen Nebenwirkungen, über Jahre. Aber ich will nicht mehr, Zungenkrämpfe, Bewegungsunfähigkeit, Unfruchtbarkeit und Gefühlsarmut sind keine Zustände die man sich wünscht, da ist die massige Gewichtszunahme noch das kleinste Übel. Es gibt halt keine verlässlichen Studien und so probiert jeder Arzt erneut aus welche Medikamente in welcher Dosis helfen könnten, auf die Lebensqualität des Patienten schaut dabei leider keiner.

Dabei wird oft verpasst den eigentlichen Experten zu fragen, den Patienten selbst, denn nur dieser kann Aussagen darüber treffen wie es um seine Krankheit steht und wie er sich mit den Medikamenten fühlt. Zum Glück habe ich gegen meine Dosis protestiert, gar nicht so einfach wenn man am vegetieren ist, ich habe Jahre gebraucht um was zu sagen, dass es so nicht weiter geht und ich leben möchte. Und siehe da auch ein Drittel der Dosis hilft dabei meinen Kopf klar zu halten und gibt mir wieder genug Raum zu leben. Meine Ärztin war erstaunt und begeistert zugleich, denn erst war sie nicht begeistert die Dosis runterzusetzen, ich muste sie erpressen, was aber laut dem PsychKG mein gutes Recht ist, solange kein Gericht was anderes sagt. Ich habe das Recht keine Medikamente zu nehmen, ich habe ein Recht auf Krankheit, nur wenn ich andere oder mich selbst gefährde kann ein Gericht anderes verordnen.

Noch nehme ich brav meine Medikamente, aber 2017 werde ich versuchen weiter zu reduzieren, denn nur so kann ich rausfinden zu welchen Drittel ich laut Studie gehöre. Entweder gehöre ich zu den einmalig Kranken, zu denen die wiederkehrende Episoden haben oder zu den Dauerkranken. Zu der letzten Gruppe gehöre ich schon mal nicht, denn es geht mir wieder gut, also gehöre ich entweder zu den einmalig Kranken oder zu den Episoden-Kranken, ich hoffe ich gehöre zu den einmalig Kranken, aber das wird sich herausstellen ohne Medikamente, ich will es auf jeden Fall herausfinden.

Samstag, 26. November 2016

Schlaf, Kindle und Restfetzen der Psychose

Schlecht geschlafen, oder besser schlecht geträumt, mehrfach wach gewesen und gedacht: "Bitte nicht mehr einschlafen damit der Traum nicht weitergeht". Zum Glück vergessen worum es ging und heute muss ich ja eh früh raus, da die Arbeit ruft. Gestern noch meinen alten Kindle ausgegraben, aber irgendwie lädt er nicht mehr automatisch gekaufte E-Books auf den Kindle runter, was ärgerlich ist, aber vielleicht komme ich ja noch hinter das Geheimnnis. Mit dem Internet ist der Kindle auf jeden Fall verbunden, aber das E-Book wird nicht geladen.

Irgendwie war es seltsam den Kindle wieder heraus zu kramen, denn in meiner Psychose dachte ich dass auch er verhext sei und dass das Spiel mit mir erst enden würde wenn die Batterie des Kindle leer ist. Leider war die Batterie nie leer, aber als ich ihn gestern rauskramte war die Batterie leer. Dann die nächste Psychose relevante Neuigkeit des Tages: Fidel Castro ist tot. In meiner Psychose dachte ich er wäre mein Großvater und dass ich auserwählt sei seine Nachfolgerin zu sein. Jetzt ist er tot, die Batterie leer, das Spiel schon lange beendet. Ich bin frei und wieder gesund, aber es ist immer noch seltsam wenn Dinge passieren, die mir damals in der Krankheit sehr wichtig waren.

Mittwoch, 16. November 2016

Danke für meine Sprach-Reha!

Den Tag gestern gut überlebt und heute ordentlich ausgeschlafen. Gestern nochmal über meine Gesundung nachgedacht und darauf gekommen dass nicht nur der Job im Laden, das Schreiben hier und die Ausbildung geholfen hat, sondern was meine Sprache angeht vorallem meine beste Freudin geholfen hat. Seit meiner Erkrankung schreiben wir uns täglich Mails, mittlerweile telefonieren wir auch wieder öfter und treffen uns und sie redet wirklich viel. Ich dagegen war die letzten Jahre sehr schweigsam, habe nur wenig geschrieben und noch weniger geredet, doch davon ließ sie sich nicht beeindrucken und schrieb mir täglich bis zu 70 Mails, die ich auch immer brav beantwortete. Ich denke das war das perfekte Training, jeden Tag zum Gespräch aufgefordert zu sein, üben, üben, üben, bis es wieder flüssiger wird mit den Worten. Als mir das gestern auffiel habe ich ihr eine Danke-Mail geschrieben, doch bisher keine Antwort darauf erhalten. Danke meine Süße für meine Sprach-Reha! Ohne dich hätte es sicher noch weitere Jahre gedauert bis ich wieder flüssig ein Gespräch führen kann. Danke auch meinen Bloglesern, auch ihr habt geholfen, durch lesen und Kommentare, denn ohne euch wäre ich auf meinen Weg nicht da wo ich jetzt schon bin. Das Leben ist halt manchmal doch nicht so scheiße wie es einen vorkommt und zwar dann wenn einen andere helfen. :-)

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Echt und nackt

Ich bin wieder echt. Echt da, das macht mir Angst. Ich fühle mich nackt. Die Tränen steigen mir wieder in die Augen, aber sie rollen noch nicht. Irgendwie will ich zurück in meine Medikationshaft, da war es so sicher, langweilig, ja aber nichts konnte mir was anhaben, denn nichts erreichte mich. Das ist jetzt wieder anders, ich blühe wieder auf, ich sehe wieder besser aus, wie mir gesagt wurde und die Menschen gehen nicht mehr auf Abstand wenn sie mich sehen, oder war ich es die Abstand gehalten hat? So werde ich jetzt wieder angesprochen wenn ich mit dem Hund gehe oder an der Bushaltestelle sitze, ja auch im Bus bleibt der Sitze neben mir nicht mehr frei, es setzt sich ständig irgendwer neben mich. Die Sache mit dem Sitzplatz ist jedoch eine Sache die hätte so bleiben können. Aber so ist es halt wenn man wieder da ist, die anderen Menschen suchen die Nähe. Habe noch Angst vor meiner Gefühlswelt, nicht vor den Menschen, das freut mich dass ich wieder Teil der Gesellschaft bin. Auch ist es schön dass wieder was mit Männern geht, denn ich war sehr einsam die letzten Jahre und verdammt keuch. Das alles scheint jetzt beendet, so ist es halt wenn man wieder echt ist, man ist nackt.

Freitag, 21. Oktober 2016

Ohne Medikamente

Was mich diese Woche erstaunt hat ist dass meine Mutter mittlerweile der Meinung ist dass ich weiterhin runterdosieren soll. Im Gegensatz zu meiner Freundin war sie bisher dagegen dass ich meine Medikamente absetze. Doch die letzten Monate scheinen sie wohl auch so begeistert zu haben, dass sie es jetzt auch als meinen Weg sieht langfristig ohne Neuroleptika auszukommen. Sie war lange dagegen, denn sie hatte Angst um mich und vor einen eventuellen Rückfall, aber ich habe mich durchgesetzt und sie konnte erkennen dass die Medikamente mir auch sehr schaden und mich zu einer anderen machen. Jetzt habe ich Schiss bekommen und bin mir nicht mehr sicher ob ich ohne Medikamente rückfallfrei bleibe, doch sie hat mir nur gut zugeredet und schien es anscheinend kaum erwarten zu können mich endlich ohne Medikamente erleben zu können. Irgendwie ist das ironisch, erst wollten sie mich alle weiterhin zuschütten und ich musste mich zum Teil mit Erpressung durchsetzten. Doch jetzt meinen meine Betreuer, meine Psychiaterin, meine Familie und meine Freunde dass ich es ohne versuchen sollte und nur ich bin es die auf die Bremse tritt.

Nadine in Berlin

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