Psychose

Freitag, 9. Februar 2018

Verschleimte Erinnerungen

Immer noch nichts riechen und nichts schmecken, immer noch total verschleimt aufwachen. Gut ich schmecke süß, sauer, salzig, aber mehr halt nicht. Versuche solange es geht zu schlafen und 10 Stunden plus die Nacht sind derzeit kein Problem. Komischerweise habe ich seit gestern juckende Füße, sodass ich nachts wach war um mir die Füße zu kratzen. Eigentlich muss ich heute raus, denn es fehlen bestimmte Dinge wie Nasensalz, keine Ahnung, ob ich das heute schaffe. Aktuell scheine ich Dinge aus der Psychose zu verarbeiten, denn ich denke öfter an die Ausnahmezustände von damals, aber zum Glück kommen sie mir nicht real vor, es sind nur Erinnerungen an Angstzustände, die ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen kann. Ich bin so glücklich, dass ich diese Erinnerungen nicht mehr fühlen kann, aber ich habe Angst, dass sie wieder kommen. Mittlerweile denke ich unterscheiden zu können, was damals Wahn war, wo mir mein Gehirn Streiche spielte, aber es ist immer noch unfassbar, dass ich einst in so einer Parallelwelt lebte. Versuche ich es mit Humor zu nehmen, sehe ich es als meine "Alice im Wunderland" Zeit an, nur war mein Film so gar nicht jugendfrei. Vielleicht habe ich hier zu früh angefangen über meine Geschichte zu schreiben, denn zum Zeitpunkt des Aufschreibens, konnte ich mich zwar erinnern, aber nichts sortieren nach wahr oder falsch. Ich hatte keinen Abstand und habe nur versucht wirre Erinnerungen in eine einigermaßen Reihenfolge zu bringen. Das ist mir nur teilweise gelungen, denn wie ich jetzt weiß gab es keine richtige Reihenfolge und oft widersprachen sich sie Geschichten auch gegenseitig. Es gibt halt keine Ordnung in einer Psychose, es ist mehr wie ein Feuerwerk der Gedanken, alles gleichzeitig und man verfolgt oft mehrere Gedanken gleichzeitig oder in Sekundentakt nacheinander. Ich will da nie wieder hin, ins Wunderland, aber sicher sein, dass es geklappt hat, kann ich erst sein, wenn ich meine Beerdigung habe.

Sonntag, 14. Januar 2018

Alles ruhig und die DSDS Psychose

Endlich Ruhe im Haus, kein Bohren, kein Hämmern, nur das Rauschen der Straße. Auch die Vögel schweigen. Alles ruhig. Gestern doch nicht soviel hingekriegt, nur einkaufen, Wäsche waschen, Bett beziehen und kochen. Eigentlich sollte ich gestern einen neuen Wasserkasten bekommen, aber ich hatte denn Termin total verpeilt. Gestern Nacht irgendwann doch bei DSDS hängen geblieben und einen Kandidaten erlebt, der Geschichten erzählt, die doch sehr auf eine Psychose hindeuten. Kann man mit Psychose Superstar werden? Ich finde es bedenklich, wenn jemand glaubt vom Geheimdienst von Brasilien nach Deutschland verschleppt worden zu sein, gleichzeitig mehrere Nationalitäten zu haben und der Sohn von 2Pac zu sein. Das kommt mir alles sehr bekannt vor, auch ich dachte in meiner Krankheit der Geheimdienst sei hinter mir her und ich sei die Tochter einer berühmten Persönlichkeit. Über meine genetische Nationalität war ich mir damals auch nicht im Klarem. Armer Mann, ich denke er gehört eher in Behandlung als in die Show und ja ich möchte gar nicht wissen was passiert, wenn er doch noch aus der Show fliegt.

Montag, 4. Dezember 2017

Platz 1: Bipolar

Seitdem ich erkrankt bin und seitdem ich meine Ausbildung gemacht habe frage ich mich immer wieder welche psychische Krankheit wohl die Schlimmste ist. Schnell war ich der Überzeugung das Depressionen nicht so schlimm sind wie eine Psychose. Obwohl ich eine Depression nie selbst erlebt habe, konnte ich sie bei Freunden beobachten. Ja es ist schlimm nicht mehr das Haus zu verlassen, sich selbst zu vernachlässigen und keinen Antrieb zu haben, aber nicht so schlimm wie Wahnvorstellungen und Stimmen hören. Hinzu kommt das Depressionen anscheinend gerade hip sind, überall im Fernsehen und im Internet wird für Verständnis für Depressive geworben.

Es wird aufgeklärt und dem restlichen gesunden Volk eine Vorstellung davon vermittelt was eine Depression bedeutet. Das finde ich macht eine Depression mehr gesellschaftsfähig als andere psychischen Erkrankungen. Die Menschen wissen Bescheid was eine Depression ist und haben deswegen weniger Angst vor so einer Erkrankung. Ein weiteres Krankheitsbild ist Borderline, gefährlich wegen der Selbsttötungsabsichten, aber im Umgang mit Borderline-Patienten hatte ich niemals Probleme. Mit den Bipolaren gab es jedoch öfter Probleme, entweder weil sie manisch waren oder vielleicht sogar psychotisch. Ich habe ein Buch gelesen über einen Bipolaren um besser zu verstehen und musste für mich resultieren, das Bipolare gleich drei verschiedene psychischen Krankheiten miteinander vereinen: Depressionen, Manie und Psychose.

Das finde ich heftig und möchte wirklich nicht tauschen. Deswegen aus meiner ganz persönlichen Sicht ist Bipolarität die schlimmste psychische Krankheit, die ich bisher kennenlernen durfte und vergebe hiermit den Platz 1 an die Bipolarität.

Dienstag, 15. August 2017

Verloren und bedroht

Ich habe alles verloren, was mich einst ausmachte. Meine Gesundheit, meine Karriere, meine Freunde und mein gutes Aussehen. Vielleicht verständlich, wenn man dann daran denkt das Leben zu beenden. Aber ich habe weitergelebt, Tag für Tag, Woche um Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Vieles ist für immer verloren, manches konnte ich zurückgewinnen. Das Wichtigste ist wohl die Gesundheit und die Freunde. Ohne kann man nicht leben. Mein Aussehen ruiniert durch medikamentenabhängige Zunahme, aber mein Herz lebt wieder und mein Kopf funktioniert auch wieder hervorragend.

Ich habe mir ein neues soziales Netz erbaut, es ist kleiner als mein vorheriges, aber es besteht nur aus Menschen die mich gesund und krank zu schätzen wissen. Wertvolle Menschen, Qualität statt Quantität. Auch wenn ich kugelrund bin, mein Kopf hat einiges zu bieten, ich habe schon viel erlebt und gemacht und kann mich nützlich machen. Doch die Krankheit droht immer, hat mich achtsamer gemacht, nie wieder sich selbst vergessen bei der Arbeit. Aber ich will mich auch nicht damit abfinden mein Leben lang arm zu sein, mein Leben lang irgendwelche Hilfen zu kriegen und Jobs zu haben, die meine Talente nicht ausreizen. Ich will nicht resignieren, mir einen Stempel aufdrücken lassen und mich auf dem Schoss der Gesellschaft ausruhen, aber die Krankheit droht.

Sonntag, 15. Januar 2017

Gehe mir doch mal auf den Sack!

Die Zeit der Krankheit war nicht gerade förderlich für nette Gesellschaft, denn in fast jeden Mitmenschen sah ich einen Spion, Manipulator oder Gedankenleser. Also isolierte ich mich und war mir von da ein Selbstunterhalter, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach der Krankheit unter Medikamenten war ich das größte Harmonievieh auf Erden, ich sagte selten was, ließ mir fast alles gefallen war dankbar für jede Gesellschaft, auch die Gesellschaft von Arschlöchern.

In letzter Zeit hat sich das aber wieder geändert, sogar ganz liebe Menschen gehen mir mit ihrem Verhalten manchmal auf den Sack. Die Eine hält Monologe die immer länger als 5 Minuten am Stück gehen, der Andere kritisiert mich öffentlich, die Nächste meckert ständig und der Übernächste ich einfach zu aufdringlich. Schön das ich wieder was merke und meine Grenzen erkenne, schön das diese Menschen mir wieder auf den Sack gehen. Das war lange nicht so, das zu erkennen macht mich ein Stück weit glücklich, mein neues Motto scheint zu sein: Gehe mir doch mal auf den Sack! :-)

Dienstag, 3. Januar 2017

Phönix aus der Asche

Der Tag an dem ich das letzte Mal starb war im Sommer 2013. Ich war sehr lebendig als ich in die Klinik eingewiesen wurde, sehr kreativ, sehr eloquent, hübsch, sexhungrig, nur lebensmüde vom Wahnsinn und der Paranoia. Meine Stimmen hatten mir vorher gesagt dass sie mich im Klinikum schlachten würden, so kam es auch. Nein keiner hat mir ein Haar gekrümmt, aber ich wurde eingesperrt und mit hochdosierten Medikamenten ruhig gestellt und so starb ich täglich einen fortlaufenden Tod. Alles was ich war schien verloren, ich sprach nicht mehr, ich aß für drei, hatte irgendwann keine Ideen mehr, nur noch vegetieren, am leben ja, aber innerlich tot. Das ging auch nach der Klinik so weiter, ich wurde immer mehr, hatte keine Orgasmen mehr, konnte nicht schreiben und reden und hübsch wirkte ich wohl nur auf Leute die auf Roboter mit Gesichtskrämpfen stehen. Jahre gingen ins Land und ich versuchte zu schreiben, versuchte mich zu unterhalten und scheiterte immer wieder. Alles was mir blieb waren das Essen und der Schlaf. Freunde, Freunde hatte ich mal, doch es blieben nur zwei Freundinnen die mich so krank ertrugen. Ich sei eine Fremde, ein neuer Mensch sagte man mir. Doch diese Fremde war wenig attraktiv oder unterhaltsam. Mit Männern lief gar nichts mehr, sehr lange, aber ich vermisste auch nichts, außer vielleicht die Zärtlichkeit. Doch ich durfte wieder erwachen, es hat lange gedauert, erst konnte ich wieder tanzen und Musik spüren, dann wieder lachen, aber reden und besonders mit Fremden war immer noch ein großes Hindernis. Dann kam der Protest, das ist kein Leben mehr, ich will nicht vegetieren, ich will nicht mit Tabletten künstlich am Leben erhalten werden und trotzdem tot sein. Weniger Medikamente und die Ideen kamen wieder, ja auch die Liebe kam wieder, dann die Orgasmen und schließlich auch die Worte. Eines Nachts kamen die Tränen wieder, nach drei Jahren ohne Tränen und langsam werde ich wieder erkannt, ich bin wieder ich, ich bin der Phönix aus der Asche.

Freitag, 9. Dezember 2016

Die Wahrheit

Das mit der Wahrheit ist schwierig. Lerne ich neue Menschen kennen erzähle ich erstmal nichts von meiner Erkrankung. Man muss die Leute ja nicht gleich verschrecken mit hochdramatischen Geshichten aus der Psychiatrie. Geht es allerdings um eine Beziehung muss man irgendwann Tacheles reden, bisher hatte ich bei meiner Bekanntschaft ein gutes Gefühl, weil er viele kranke Menschen kennt und mit ihnen befreundet ist. Heute sprach er jedoch davon sich jetzt mal von den Psychos zu trennen, dabei ist er aus meiner Sicht selbst ein Psycho. Wenn er wüsste wie schwer ich mal erkrankt war, würde er mich meiden? Noch kennen wir uns kaum, aber nach dem Satz heute werde ich wohl weiter schweigen. Vielleicht breche ich auch selber den Kontakt ab, keine Ahnung. Es ist wohl wie die Ärzte so schön sangen: Wollt ihr die Wahrheit hören? Und das Publikum antwortet nur laut: NEIN!


Montag, 5. Dezember 2016

Frust: Parkinsonschen Blickfeldkrämpfe

Seit ein paar Monaten zucke ich ständig mit den Augen, bzw. schliesse meine Augen besonders oft, weil sie einfach verkrampft sind. Also heute mal bei der Psychiaterin angesprochen, auch wenn ich dachte das liegt am Magnesiummangel oder Stress. Sie diagnostisierte ziemlich schnell: "Parkinsonschen Blickfeldkrämpfe" eine Nebenwirkung meines Medikaments gegen Psychose. Scheiße, das heißt jetzt wieder Atkineton, was ich eigentlich erfolgreich abgesetzt hatte. Aber nachdem mich jetzt schon mehrere Personen auf meine Blickkrämpfe angesprochen haben war der Leidensdruck einfach zu groß um es zu verheimlichen, nur damit ich ein Medikament weniger nehmen muss. Frust, denn eigentlich ist mein Medikament jetzt schon niedrig dosiert und trotzdem habe ich die Nebenwirkungen eines Parkinson Kranken. Ich hoffe das hört auf, habe gerade meine erste zusätzliche Tablette genommen, die Blickkrämpfe sind schon ätzend, aber vielleicht werde ich sie ja bald wieder los.

Sonntag, 27. November 2016

Vegetation, PsychKG und Medikamente

Lang geschlafen und seltsame Sexträume gehabt, aber besser als Alpträume. Keine Mails von der besten Freundin, denn die muss heute arbeiten. Musik tönt aus den Boxen. Heute ist Reinemach-Tag, der Haushalt ruft, aber ich habe Zeit, erstmal Kaffee trinken und aufwachen. Das neue Buch ist gut, beeindruckend fand ich die Stelle in der beschreibt das psychisch Kranke doch bitte nach ihrem ersten Vorfall sich mit Medikamenten zudröhnen sollen und den Rest ihres Lebens vegetieren sollen.

Vegetiert habe ich jetzt auch Jahre, aber zum Glück habe ich einen Ausweg gefunden, weil ich mich einfach nicht mit Vegetation für die nächsten 40 Jahre abfinden wollte. Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, wäre es bei Vegetation geblieben. Denke ich bin auf einen guten Weg, meine Belastbarkeit ist fast wieder normal und meine Ausbildung hilft mir mich zu entfalten und mich immer mehr zu erproben. Es ist schon sehr bezeichnend dass im PsychKG steht, das eine Behandlung mit Psychopharmaka die über 6 Wochen hinaus geht ein Gerichtsurteil erfordert. Das zeigt doch dass Psychopharmaka so sehr in die Persönlichkeit und Lebensqualität eingreifen, das man sie nicht länger als 6 Wochen nehmen sollte.

Bei mir gab es nie ein Urteil, aber ich habe die Medikamente freiwillig genommen, trotz der ganzen Nebenwirkungen, über Jahre. Aber ich will nicht mehr, Zungenkrämpfe, Bewegungsunfähigkeit, Unfruchtbarkeit und Gefühlsarmut sind keine Zustände die man sich wünscht, da ist die massige Gewichtszunahme noch das kleinste Übel. Es gibt halt keine verlässlichen Studien und so probiert jeder Arzt erneut aus welche Medikamente in welcher Dosis helfen könnten, auf die Lebensqualität des Patienten schaut dabei leider keiner.

Dabei wird oft verpasst den eigentlichen Experten zu fragen, den Patienten selbst, denn nur dieser kann Aussagen darüber treffen wie es um seine Krankheit steht und wie er sich mit den Medikamenten fühlt. Zum Glück habe ich gegen meine Dosis protestiert, gar nicht so einfach wenn man am vegetieren ist, ich habe Jahre gebraucht um was zu sagen, dass es so nicht weiter geht und ich leben möchte. Und siehe da auch ein Drittel der Dosis hilft dabei meinen Kopf klar zu halten und gibt mir wieder genug Raum zu leben. Meine Ärztin war erstaunt und begeistert zugleich, denn erst war sie nicht begeistert die Dosis runterzusetzen, ich muste sie erpressen, was aber laut dem PsychKG mein gutes Recht ist, solange kein Gericht was anderes sagt. Ich habe das Recht keine Medikamente zu nehmen, ich habe ein Recht auf Krankheit, nur wenn ich andere oder mich selbst gefährde kann ein Gericht anderes verordnen.

Noch nehme ich brav meine Medikamente, aber 2017 werde ich versuchen weiter zu reduzieren, denn nur so kann ich rausfinden zu welchen Drittel ich laut Studie gehöre. Entweder gehöre ich zu den einmalig Kranken, zu denen die wiederkehrende Episoden haben oder zu den Dauerkranken. Zu der letzten Gruppe gehöre ich schon mal nicht, denn es geht mir wieder gut, also gehöre ich entweder zu den einmalig Kranken oder zu den Episoden-Kranken, ich hoffe ich gehöre zu den einmalig Kranken, aber das wird sich herausstellen ohne Medikamente, ich will es auf jeden Fall herausfinden.

Samstag, 26. November 2016

Schlaf, Kindle und Restfetzen der Psychose

Schlecht geschlafen, oder besser schlecht geträumt, mehrfach wach gewesen und gedacht: "Bitte nicht mehr einschlafen damit der Traum nicht weitergeht". Zum Glück vergessen worum es ging und heute muss ich ja eh früh raus, da die Arbeit ruft. Gestern noch meinen alten Kindle ausgegraben, aber irgendwie lädt er nicht mehr automatisch gekaufte E-Books auf den Kindle runter, was ärgerlich ist, aber vielleicht komme ich ja noch hinter das Geheimnnis. Mit dem Internet ist der Kindle auf jeden Fall verbunden, aber das E-Book wird nicht geladen.

Irgendwie war es seltsam den Kindle wieder heraus zu kramen, denn in meiner Psychose dachte ich dass auch er verhext sei und dass das Spiel mit mir erst enden würde wenn die Batterie des Kindle leer ist. Leider war die Batterie nie leer, aber als ich ihn gestern rauskramte war die Batterie leer. Dann die nächste Psychose relevante Neuigkeit des Tages: Fidel Castro ist tot. In meiner Psychose dachte ich er wäre mein Großvater und dass ich auserwählt sei seine Nachfolgerin zu sein. Jetzt ist er tot, die Batterie leer, das Spiel schon lange beendet. Ich bin frei und wieder gesund, aber es ist immer noch seltsam wenn Dinge passieren, die mir damals in der Krankheit sehr wichtig waren.

Nadine in Berlin

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