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Ich bin dagegen

Dienstag, 24. November 2009

Luftballon Stars

Irgendwann geht es uns allen so, das einst prall gefühlte Antlitz fängt an in sich zusammen zufallen. Sieht dann ein wenig aus wie ein Luftballon der Luft verloren hat und deren Oberfläche sich kräuselt.

Dagegen kann man nichts machen, so ist der Lauf der Ding, aber braucht man einen Scheinwerfer dazu? Lieber Elton John, liebe Madonna, lieber Dave Graham, euch steht Scheinwerferlicht nicht mehr so.

Ja ich war ein Fan und auch ich erinnere mich gern an meine jungen Jahre zurück. Doch bei eurem Anblick weiß ich definitiv: Das ist sehr lange her! Die gefühlten 5 Jahre und tatsächlichen 10 Jahre sehen in eurem Gesicht aus wie 30 Jahre.

Vielleicht weil ihr damals schon älter wart, vielleicht liegt es aber auch an den Scheinwerfern und eurer Weigerung ein annähernd altersgemäßes Outfit und Verhalten zu wählen. Wo ist eure Würde, euer Selbstbewusstsein?

Ihr seid immer noch klasse Musiker und furchtbar interessante Persönlichkeiten. Darauf solltet ihr euch verlassen und nicht versuchen wie ein dummer Teenie mit Sexappeal zu punkten, weil ihr sonst nichts auf dem Kasten habt.

Euer Kasten ist voll, also macht euch keine Gedanken um die Nachfrage. Ihr habt ein einzigartiges Angebot. Bitte zieht es nicht in den Dreck durch eine unpassende Verpackung. Das Tolle an alten Luftballons ist nämlich: Sie gehen nicht so schnell kaputt wie die prall Gefüllten.

Versucht erst gar nicht so zu sein wie die jüngere Generation, denn ihr seid viel mehr als Luftballon Stars.


Sonntag, 8. November 2009

E-Werk reloaded, -war gar nicht so toll

Wir haben nicht mehr 1995 liebe Nadine, verstehe das endlich. Ich will aber nicht schreit der Bock psychotisch in den Raum. Der Bock weiß das er nicht allein ist, da gibt es so Retro-Veranstaltungen, so wie gestern, als das E-Werk für ein letztes Mal die Türen öffnete.

Wie konnte ich vergessen? Müde Gesichter der 30plus Generation begrüssten mich schon an der Garderobe. Altergemäß war auch das Tempo, obwohl es nicht zu den großen Pupillen passte. Im Alter müssen die Pupillen den Job halt allein machen.

Schick gemachte, überschminkte, voll gekokste Mädchen um die 20 hüpften durch die Gegend als hätten sie als Fötus schon hier gezappelt. Die große Toilette, die mal der Wohnsitz einer herrlich schrulligen Klofrau war, existiert nicht mehr. Dafür gab es vier schicke Toiletten für Hunderte Frauen mit Blasenschwäche.

Die Wartezeit auch dort, - Gehhilfen gerecht. Ein paar verstrahlte Gesichter von damals brachten kurzes Licht in meinen Retro-Film, in dem ich partout keine Rolle für mich finden konnte. Ein cira 2,20 m großer Sicherheitsmann stand irgendwann neben mir, bitte rette mich King Kong, Jane ist in Not.

Er verstand meinen Blick nicht. Schade, was mache ich hier? Müde Füße auf klebrigen Fußboden. Bum, Bum und noch eine mittelmässige Lichtshow. Manche Dinge müssen enden und wenn man den zärtlichen Blick der Erinnerung weg wischt, weißt man auch wieder warum. E-Werk reloaded, -war gar nicht so toll, war es wahrscheinlich nie.

E-Werk

Dienstag, 3. November 2009

Das Jahr des Todes

Es ist wieder passiert. Das dritte Mal in diesem Jahr. Erst war es eine mir unbekannte Radfahrerin, dann ein enger Vertrauter und jetzt wieder ein Nachbar.

Heute morgen als ich das Haus verlassen wollte, hörte ich Stimmen im Flur. Sie entfernten sich nicht, noch kamen sie mir näher und ich begriff schnell, dass ich nicht warten brauchte um ihnen aus den Weg zu gehen. Ein Stockwerk unter mir, scheint mein Nachbar ausgezogen zu sein. Noch eine Etage tiefer musste ich fast heulen.

Pissnelke ist tot. Wieder ein nicht alter Mann, der aber im Gegensatz zu Stefan in seiner Wohnung gestorben ist. Ich hatte mich schon gewundert warum er letzte Woche nicht das Paket für mich entgegen genommen hatte.

Jetzt ist er weg. Nicht das wir Freunde gewesen wären oder ich ihn sonderlich sympathisch fand. Aber warum jetzt? Warum schon wieder dieses Haus?
Was soll das? Wieso ist 2009 das Jahr des Todes?

Samstag, 17. Oktober 2009

Meeresrauschen

Die Baustelle vor meinen Fenster hat die Straße zu einem Strand verwandelt. Nicht nur wegen der Sandberge, es ist das Rauschen. In großen Budellöchern sind neue mit Ganzkörperkondom versehen Rohre zu sehen. Doch niemand hat sie wieder vergraben.

Jetzt rauscht es als hätte Jemand vergessen die Klospülung auszuschalten. Eine ziemlich große Klospülung für Riesen, die riesig Lärm macht. Tag und Nacht. Liege ich im Bett versuche ich mir Regen oder ein Meeresrauschen vorzustellen und das Geräusch so in eine Phantasie einzubetten. Klappt nicht immer, aber immer öfter.

Auf was warten die Männer von dem handwerkenden Gewerbe? Gibt es keinen Sand mehr in Berlin, keine Schaufeln? Sind alle Asphalt-Experten derzeit ausgebucht? Oder soll Väterchen Frost den Job übernehmen? Es rauscht und ich schliesse die Augen und meine Gedanken unternehmen eine Reise, weit, weit weg.....

Dienstag, 13. Oktober 2009

Überraschend unsexy

Der Herr Merlix hat mir eine Woche wie im Darkroom versprochen - überraschend, sexy und wild. Ich glaube er hat sich vertan, oder er versteht unter Darkroom etwas ganz anderes als ich.

Obwohl vielleicht meinen wir ja beide doch das Gleiche, denn diese Woche ist bisher wirklich wie ein Darkroom für mich, - ich könnte die ganze Zeit schlafen, im Dunklem versteht sich. Mein Körper tut weh, mir ist mal heiß, dann mal wieder kalt und auf Arbeit gibt es zwar viel zu tun, aber sexy ist dabei aktuell wenig.

Ich möchte Ruhe und Wärme und keine Leute um mich herum haben, die komisch riechen, laut durch die Gegend stampfen oder alle drei Sekunden husten. Bin übereizt und reagiere gereizt, vielleicht hat diese Woche doch was mit einem Darkroom zu tun, nur halt ohne Sex und das überrascht mich jetzt nicht.

Mittwoch, 2. September 2009

So und so

Du bist so und so, durfte ich mir in letzter Zeit öfter anhören und ansehen. Aha, so ist das also. Aber wer bist du? Kennen wir uns? Wer gibt dir das Recht zu urteilen wer ich bin?
Die 10 Minuten die wir mal privat gequatscht haben? Du weißt rein gar nichts von mir, wären wir Freunde, vielleicht hättest du eine Ahnung wer ich bin. Statt dessen renne ich gegen ein Bild an, welches so gar nichts mit mir zu tun hat.

Manchmal erwische ich mich, wie ich mich so und so verhalte, weil es erwartet wird....aber das bin nicht ich. Nein, so werde ich auch nicht, nur weil du es erwartest. Verstehe ja die Notwendigkeit der Schubladen, aber warum schließt du sie nach der Sortierung sofort? Bist du unfehlbar? Versuche nicht sauer zu werden, wenn du wieder erzählst wer ich bin, ohne mich zu kennen. Denn ich weiß, du bist so und so.....

Sonntag, 12. Juli 2009

Er ist tot

Er ist tot. Gestern gegen 20 Uhr muss es passiert sein. Ich war doch nur kurz baden. Ich konnte nicht mehr, er hatte mir gesagt es gäbe nichts mehr zu reden und dass er ausziehen würde. Weg gehen solle ich und schloss die Tür hinter sich.

3 Tage und 3 Nächte ging das jetzt mit ihm. Er hat mindestens 33 Mal bei mir geklingelt. Doch sein Film hörte nicht auf. Freitagnacht konnte ich nicht mehr und habe ihn gebeten in die Pyschiatrie zu gehen. Er hielt es für eine gute Idee, wollte aber nicht anrufen oder anrufen lassen.

Er hat sich zum Schluss nochmal gewaschen und rasiert und frische Klamotten angezogen. Er hat mir den See vor seinem Fenster gezeigt und meinte ob es nicht toll wäre dort einfach rein zuspringen. Ich sagte ihm, dass es nur eine Pfütze an der Baustelle sei. Er wusste das.

Er sprach davon, dass ich eine Vollmacht bekommen sollte. Für seine Wohnung, seine Sachen. Falls er in den Knast geht, oder. Oder gab es für mich nicht, er hat nachdem er mich aus seiner Wohnung geworfen hat noch mal an meine Tür geklopft, mir wortlos mein Handy zurück gegeben.

Ich lag in der Wanne, als ich laute Schreie hörte, ich stand im Bademantel auf meinem Balkon als ich sah, dass er blutverschmiert mit dem Rücken auf der Straße lag. Sanitäter machten Wiederbelebungsversuche. Ich zog irgendwas an, wollte zu ihm rennen, denen da draußen sagen wer er ist. Vor meiner Wohnungstür standen sehr viele Polizisten.

Der ist tot sagten mir ein blonder Mann trocken. Tot. Ob ich ihn kannte und wann ich ihn das letzte Mal gesehen hätte. Vor einer Stunde, gestern Nacht hatte ich ihn noch umarmt, als ich ihm sagte, dass ich jetzt schlafen müsste. Es waren sehr viele Polizisten hier, die Kinder und Gaffer auf der Straße schrien nur: „Ist er tot, ist er tot?“

Er lag da, sein Kopf blutig. Ich kannte ihn 4 Jahre. Die letzten Jahre nur aus dem Hausflur. Ich hatte nicht geahnt was mit ihm passiert war. Hatte gehofft, dass er nur einen schlechten Drogenfilm hatte und meine Nähe gesucht hat. Er wird bald wieder normal, die Sachen mit den Schulden lassen sich regeln, die Sache mit der Paranoia lassen sich regeln. Ich muss ihn nur beruhigen und ihm sagen das da keine Stimmen sind.

Morgen kommt die Polizei zu mir sagte er mir zuvor. Wenn die kommen, dann musst du die Tür für mich aufmachen, sagte er. Er hatte die Tür gestern aufgelassen, den ganzen Tag. Ich sollte auf seine Tür aufpassen, während er kurz weg war. Irgendwann musste ich kurz weg, ich traf ihn panisch im Selbstgespräch vor seiner Tür vor als ich wieder kehrte.

Da wäre Jemand in seiner Wohnung und er müsste darauf warten bis die Person wieder raus kommt. Da ist Niemand Stefan, sagte ich. Er lächelte und meinte er würde gerade wieder einen Film schieben und er würde mir später darüber erzählen. Ich schaute ihn traurig an und meinte ich bin jetzt wieder da, nur zu deiner Info und berührte ihn nochmal am Arm.

Als ich in der Wanne lag, hat es nochmal geklopft, aber nicht mehr geklingelt. Ich dachte, dass er es war, aber er hatte gesagt es gäbe nichts mehr zu bereden. Ich war müde und ein wenig sauer auf ihn, dachte ich schaue nach dem Bad nochmal nach ihm. Doch in dieser Zeit hat er beschlossen in den See zu springen. Freundinnen kamen zu mir, ich heulte, und heulte und heule immer noch.
Sein Blut klebt noch am Bürgersteig vor unserem Haus.

Er ist tot, er wird nie wieder klingeln, wir werden nie wieder Tee trinken. Mein Netzwerkkabel, das zu ihm führte liegt wieder in meiner Wohnung. Ich brauche das Internet nicht mehr für ihn anlassen. Ich brauche nicht mehr lauschen ob er da ist. Er ist weg. Er kommt nicht wieder. Haftbefehl, SEK, Schulden, Drogen und niemand der ihn liebt. Ich konnte ihm nicht geben was er brauchte, ich konnte es nicht verhindern. Das ist nicht fair. Warum war er gerade die letzten drei Tage bei mir? Er war doch erst 36 Jahre alt. Ich bin zum Glück nicht allein, aber ich habe Angst auf dem Hausflur zu gehen oder auf die Straße wo er lag.

Nein er war nicht mein Freund, er wollte nicht mein Freund werden. Er wollte nur ab und zu bei mir sein. Er sagte er hätte Niemanden mehr außer mir. Er sagte er hätte zu viel Liquid Ecstasy erwischt und wollte nur gemütlich zu Hause runter kommen, als er am Mittwoch hier her kam. Aber da war die Polizei in seiner Wohnung. Sie haben ihn zu Boden gedrückt und ihm seine Notfallmedikamente weg genommen wie er sagte.

Er traue sich nicht mehr in seine Wohnung, sie hätten alles angefasst und da seien die Stimmen. Er konnte nicht bei mir schlafen, er hatte seit Mittwoch nicht geschlafen. Ich musste aber schlafen und tat es irgendwie doch nicht. Jetzt ist er weg und ich kann nicht mehr schlafen. Die Bilder verfolgen mich. Warum habe ich nicht verstanden was er vor hat. Warum nicht? Warum habe ich nicht vorgestern Nacht den Notruf gerufen?

Warum?

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Spastischer Funkturm

Der Funkturm auf dem Alex er wird aktuell in wechselnden Farben angestrahlt. Sieht für 1 Sekunde auch gut aus, sieht jedoch nicht mehr so gut aus wenn die Farbe alle 3 Sekunden wechselt. Das sieht dann wiederum aus wie ein Funkturm mit spastischen Anfällen oder auf dem elektrischen Stuhl kurz vor dem Tod. Weiß nicht was sich die die Veranstalter dieser Technik dabei gedacht haben, aber ich vermute Sponsor ist unter anderen der Berliner Stromversorger Vattenfall, was auch immer der gespendet hat, mit dem Strom verdient er mehr.

Dienstag, 30. September 2008

Zentrale Steuernummer

Ich wurde zentral erfasst, von nun an werde ich für das Finanzamt in Deutschland immer eine Nummer sein. Ok eine sehr lange Nummer, länger als eine Mobilfunknummer, aber das tröstet mich nicht wirklich. Ist ja nicht so, dass ich durch die Länge der Nummer wichtiger werde oder noch besser einen Steuerbonus erwarten kann. Nix, da hat mich meine Freiberufler Nummer mehr gefreut, denn die bringt mit wenigstens Geld und ist nicht für das Gegenteil gedacht. Finde ich gruselig diese Zentralisierung aller Dinge, auch wenn ich wie Herr Schäuble nix zu verbergen habe, bin ich trotzdem dagegen. Komme mir langsam vor als würde ich schon in der Welt von Max Headroom leben, ein Leben mit zentraler Ortung, das in TV deutlich witziger war als in der Realität. Das ich abends nach der Arbeit anfange zu stottern ist sicher eines der ersten Zeichen der Max Headroomisierug........
Max Haedroom

Montag, 15. September 2008

Kalt

Es ist kalt hier. Dabei hatte ich heute Nacht alle Fenster geschlossen und zusätzlich Kleidung von Kopf bis Fuß unter warmer Decke. Trotz großzügigen Schlafpensum fühle ich mich gerade wie eine Nacktschnecke auf der Suche nach einem Versteck. Grau bewölkt mit leichten Wind erzählt das Fenster davon, dass es draußen noch viel härter zu geht. Ich will da nicht raus, ich will ja noch nicht mal hier fernab meines Bettes sitzen. Aber was ich will interessiert Petra nicht, wie immer. Sie sagt sowas wie gehe duschen und suche dir einen Rollkragenpullover. Na gut, dann werde ich mal, aber ich wollte mal gesagt haben, das ich dagegen bin.

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