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Dobermänner

Als geborener Wildfang im Landambiente lernte ich früh Tiere jeder Art kennen und lieben. Die putzigen Kellerasselkugeln, schnell seilende Spinnen, verfolgende Kühe, süß quakende Kröten, siamesische Regenwürmer, die nach der Trennung nicht nur weiter krochen, sondern auch in verschiedene Richtungen und Igel, die sich allerdings nicht für Ballspiele eigneten. So lebte ich wie Tarzan in meinem Dschungel aus Brennesseln, erteilte Libellen die Flugerlaubnis, verjagte Vögel vom Kirschbaum und versuchte Schmetterlinge zu fangen.
Alles war gut im Reich Nadine, doch sie wuchs heran und wurde immer neugieriger, was sich wohl außerhalb ihres Reiches so tut. Sie entdeckte das Klettern und begann die Mauern rechts und links ihres Reiches zu erklimmen und in Nachbarstaaten zu blicken.
Der Staat rechts von ihr war ein Paradies, wunderbare Blüten in vielen Farben begrüssten sie und sogar Beeren auf hohen Sträuchern luden zum kulinarischen Genuss. Sie hatte immer Angst erwischt zu werden, wenn sie sich an der fremden Herrlichkeit erfreute, die Schriften von Mutti verbaten solches Verhalten. Irgendwann wurde sie erwischt, ein lächelnder, älterer, türkischer Mann sah sie, pflügte eine Blume und schenkte sie ihr. Die Schriften der Mutti schienen paranoid zu sein, was ist daran so schlimm belächelt und beschenkt zu werden?
Also erklomm sie bald darauf die linke Mauer ihres Reiches und wagte einen Blick. Fast wäre sie von der Mauer gefallen, denn zwei, sehr laute und aggressive Dobermänner begrüssten sie zähnefletschend. Trostlos sah das Reich aus, nur kurzes, sauber rasiertes Grün, keine Bäume, wie eine grüne Lego Platte ohne Steine.
Aber da waren ja noch die Hunde, die an der Mauer hoch sprangen und versuchten sie zu beißen. Sie zog sich zurück, hörte aber nicht viel später eine keifende Hexenstimme jenseits der Mauer. Dieses Spiel wiederholte sie noch einige Mal, es war wohl der Adrenalinkick und die Sicherheit der Mauer. Die Hexe jenseits der Mauer schien bald zu explodieren, weil sie jedesmal ihre Höllenhunde beruhigen musste.
Doch irgendwann kam der Tag der Wahrheit, die Hexe von Links begegnete mir und Mutti auf der Straße. Die Hunde fingen sofort an zu bellen und die Hexe musste die Lederriemen eng an sich halten. Sie spuckte Galle und Gift, doch Mutti stimmte nicht zu und so schrie die Hexe: "Fass" und lies ihre Dobermänner laufen, die Dobermänner verfolgten Nadine und sie rannte um ihr Leben, zum Glück fand sie bald den Eingang der schützenden Burg.
Seit diesen Tag mag ich keine Dobermänner mehr, ich kuschle mit Pitt Bulls, American Staffords, Schäferhunden und sogar eine Boa war mal dabei, aber Dobermänner machen mir Angst und das obwohl ich mittlerweile deutliche größer bin als sie.

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