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Sich kennen

Aber wir kennen uns doch jetzt schon 10Jahre, sagte eine männliche Stimme zu mir am Telefon. Stimmt, nein eigentlich stimmt das nicht, denn ich kenne ihn fast nur virtuell, seit Jahren chatten wir, gesehen habe ich ihn aber nur einmal in echt und das waren nur Minuten. Seit Jahren berichten wir uns über unser Leben, stundenlang wurde geheult und beraten und trotzdem gab es nie mehr als Briefverkehr.
Trotzdem bin ich überzeugt ihn nicht zu kennen, auch wenn er mehr über mich weiß, als viele "Freunde" der letzten Jahre. Das Netz halt, so nah und fremd zu gleich.
Mal abgesehen von der Frage ob es überhaupt möglich ist Jemanden völlig zu "kennen", kann man einen Menschen über das Netz "kennen"?
Kratzbürste - 26. Jan, 14:48

Hm, interessante Frage. Also wenn ich behaupte jemanden zu kennen, dann gehört für mich dazu, daß ich dem sofort anmerke, wenn etwas nicht stimmt. Und dazu gehört Mimik und Gestik. Das muß man gut kennen. Man muß genug Zeit gehabt haben, um den anderen studieren zu können. Schriftlich wird doch nur das widergespiegelt, was das Gegenüber von sich zeigen will. Wenn er schreibt, daß es ihm gut geht, muß das noch lange nicht stimmen. Und man sieht den anderen nicht, um das beurteilen zu können. ... Ich würde das nie behaupten. Bei mir dauert es schon lange, bis ich von jemandem, den ich nicht über's Netz kenne, sage, daß ich ihn kenne.

NBerlin - 26. Jan, 15:33

Diese Sache mit der Gestik und Mimik ist wirklich eine wichtige Sache, die beim Onlinekontakt fehlt. Trotzdem ist es ein Phänomen, dass man im Netz oft ehrlicher ist als in Real und es daher keine Mimik braucht um zu erraten das es dem Anderen nicht/oder besonders gut geht. Wer nicht lügt muss durch Mimik auch nicht enttarnt werden.

Bin der Überzeugung das ich Niemanden vollständig kenne, noch nicht mal mich selbst, das was ich als "kennen" bezeichne ist wohl eher das Abschätzen von Verhaltensmustern und das Enttarnen von Lügen durch Mimik und Geschichte.
Nadja (Gast) - 26. Jan, 15:02

Mh... ich würde sagen, ja. Bzw. eben nein, weil man sowieso nie jemanden komplett kennen kann. Wenn du mit jemandem nur real Kontakt hast, kennst du eben den real-Teil des Menschen und verpasst den online-Teil. Auch, wie man sich gibt, selbst wenn man nicht wirklich so ist, gehört mit zur Persönlichkeit, würde ich sagen. Wenn du nicht weißt, dass sich dein bester Freund im Internet als 18jährige ausgibt, ist das ein Teil, der fehlt. Den dafür jemand anders kennt, nämlich die Leute, die ihn als 18jährige kennengelernt haben, die den anderen Teil nicht kennen. Und wenn jemand vorgibt, verständnisvoll zu sein, muss er ja zumindest auch gewisse verständnisvolle Ansätze haben, weil er sonst nicht wüsste, was das überhaupt ist und wie man so tut, als wäre man es. Und ich merke, das geht gerade eher in die Richtung 'Was ist die Persönlichkeit?' als deine ursprüngliche Frage, außerdem wird es ziemlich lang für einen Kommentar. Also... Meiner Meinung nach kann man jemanden über das Netz genauso gut kennen wie real, nur eben anders. Einen anderen Teil des Menschen... Ideal wäre es natürlich, alle Teile des Menschen zu kennen, aber meist kennt man sich ja nicht mal selbst wirklich, wie sollen andere das 100%ig hinkriegen?!

NBerlin - 26. Jan, 15:41

Frei nach dem Motto: Wer bin ich (du), und wenn ja wie viele?
Nicht was ist die Persönlichkeit, sondern wie viele Facetten hat diese Persönlichkeit?
Ich habe manchen Onlinekontakt oft intensiver erlebt als realen, liegt aber vielleicht daran das ich online weniger "schauspiele" und es gleich ans Eingemachte (Kopf-/Gefühlswelten) geht. Das finde ich das Tolle am Netz, man lernt Menschen ohne die Einordnung in Schubladen kennen, denn das Äußerliche öffnet oft zu schnell eine Schublade.
Nadja (Gast) - 26. Jan, 15:50

Wenn es so ist, mit weniger Schauspielerei (muss ja nicht immer der Fall sein, bei mir aber wohl auch, denke ich)... Irgendwie ist das 'Kennen' dann doch ein bisschen realer als die sog. 'Realität' (Gegensatz von Onlinewelt). Wenn ich jemandes Probleme kenne, weiß, wie er denkt und fühlt, was seine Träume und Ängste sind, würde ich sagen, dass ich die Person besser kenne, als jemanden, mit dem ich mich von Zeit zu Zeit mal zum Kaffee treffe und über Klamotten (oder was es sonst noch für nichtige Themen gibt^^) rede... Was nicht heißen soll, dass 'reale' Kontakte immer oberflächlich sind, aber es gibt eben solche und solche, in beiden Welten...
NBerlin - 26. Jan, 15:56

Denke das man bei realen Kontakten einfach vorsichtiger ist, man versucht sich gut dar zu stellen (schauspielen) und man erzählt auch nicht gleich aus dem Nähkästchen.
Viele rennen ja gleich weg, wenn man am Anfang gleich mit Seelen Beichte anfängt.
Im Netz macht das weniger aus, wenn einer/eine dann schnell weg ist, als wenn man sich täglich sieht.
Richtig seltsam wird es dann wenn man Menschen aus den Netz in Real sieht oder wenn Menschen aus dem realen Leben deinen Blog entdecken......da fühle ich mich dann "nackt"...
steppenhund - 26. Jan, 15:03

vor einigen Jahren hätte ich die Frage noch mit ja beantwortet.
Heute bin ich genauso fest davon überzeugt, dass die Antwort nein ist.

NBerlin - 26. Jan, 15:43

*gg* vor einigen Jahren hätte ich noch behauptet, das man nur über das Netz, Leute in "echt" kennen lernen kann oder zu mindestens deutlich schneller. Heute würde ich einer gegenteiligen Argumentation auch zu stimmen, kommt halt immer auf die Menschen an.....
Nachtblau - 26. Jan, 15:04

Ich denke man lernt da nur Dinge über jemanden kennen, wenn überhaupt

NBerlin - 26. Jan, 15:46

Stimmt, was dann zum falschen oder richtigen Bild über die Person führt, ist wohl die Bewertung und das Ausmalen der Informationen, die man glaubt zu haben.
Nachtblau - 26. Jan, 15:52

Genau, und wie es das Gegenüber halt mit der Wahrheit und so hält
NBerlin - 26. Jan, 16:09

Das und ob man die "wahre" Aussage gleich interpretiert.
Jemand schreibt z.B. heute ist schönes Wetter. Absolut wahr aus ihrer/seiner Sicht, denn es ist ein fantastischer Wintertag mit Schnee, das Gegenüber denkt aber bei "schönen" Wetter an Sonnenschein und Strandwetter....Lüge?
lemonendres - 26. Jan, 21:32

Ich lese oft einige blogs und man erfährt doch einiges über manche leute, aber ich könnte über keinen sagen, den kenne ich gut.
Und oft denkt man sich, das ist ein interessanter mensch über den würde ich gern mehr erfahren, aber dann sage ich mir, wenn die person das wollte würde sie bestimmt mehr in ihrem blog preisgeben und dann ist das sicher auch gut so.

Nadine, was ich gerade sehe hast du den 1000 Tag verpasst ?

NBerlin - 27. Jan, 10:25

Jeder setzt die Grenzen selber fest, also was er/sie erzählt oder nicht. Gleiches gilt für den Anteil an Fiktion (Lüge). Schließlich ist alles öffentlich, auch wenn man es gerne vergisst.
Fast, Hobo hat mich darauf hingewiesen. ;-)
liebesblüte (Gast) - 26. Jan, 23:30

eine interessante Frage..

... doch ich würde es so beantworten: er kennt nur das, was Du ihm geschrieben hast gut. Doch selbst, was Du geschrieben hast, kann er ganz anders verstanden haben, als Du es gemeint hast, weil in der Schrift ist nur ein Teil der vielen Kommunikationsebenen enthalten.

Ich selber hatte jemanden aufgrund seiner Blogsinhalte eingeschätzt. Als ich diese Person traf, habe ich festgestellt, daß sie das, was sie schrieb in keinster Weise gelebt hatte sondern daß es nur Wünsche waren...

Schreiben kann man vieles, Verstehen, etwas ganz anderes, Leben noch etwas anderes...die Virtuelle Welt bleibt virtuell. Ein Mensch ist nun man real und hat viele Sinnen. Nur im realen Leben, kann man einen Menschen mit allen Sinnen erfassen und selbst das, bleibt schwierig!

NBerlin - 27. Jan, 10:31

"er kennt nur das, was Du ihm geschrieben hast gut. Doch selbst, was Du geschrieben hast, kann er ganz anders verstanden haben, als Du es gemeint hast, weil in der Schrift ist nur ein Teil der vielen Kommunikationsebenen enthalten."

Genau das meinte ich, das sind die Fehlerfaktoren die ein "Online-Kennen" unmöglich machen kann.....kann nicht muss.....

Hm aber sind Wünsche nicht ein realer Teil einer Person? Nur weil sie irgendwas noch nicht gelebt hat, heißt das ja nicht, das es trotzdem Teil ihrer Persönlichkeit ist.
Oft traut man sich online ja Sachen, die man sich real nicht trauen würde....

Tja der Idealfall bleibt wohl Beides zu kennen, wenn doch nur mehr Leute bloggen würden. ;-)
creature - 26. Jan, 23:44

To Know Him Is To Love Him
Amy hin oder her, der Song ist so schön, ihre Stimme ein Wahnsinn, ich vergesse alles um mich herum.
i love it ;)

NBerlin - 27. Jan, 10:36

Hm ich werde nicht warm mit der Frau Winehouse, dabei mag ich ihre Stimme und auch die Musik die sie macht, vielleicht sind es die Klatschnachrichten über sie, die mich sehr an Britney Spears erinnern....
creature - 27. Jan, 11:48

die klatschnachrichten sind zum vergessen, es gibt menschen die passen nicht in dieses system.
was hätte die klatschpresse über mozart geschrieben?
über vincent van gogh?
über goethe?
über hermann hesse?
über friedrich nietsche?
über bertolt brecht?
usw.
alles nicht angepasste menschen die zerissen waren zwischen gesellschaftlichem anspruch und ihrer kreativität!
statt klatschpresse mögen die leute besser biografien lesen, da bekommt man mehr einblicke in geistig seelische zusammenhänge, auch der eigenen.
NBerlin - 27. Jan, 12:06

Genie und Wahnsinn liegen nah zusammen. ;-)
Finde ihr Gesicht seltsam, obwohl das eigentlich nichts mit der Musik zu tun hat.
mammarazzi - 27. Jan, 00:09

nein, über das netz wohl nicht, aber es kann ein anfang sein...
meine beste freundin habe ich vor jahren im chat kennengelernt, aber erst, als wir uns durch zufall real bei einem treffen gesehen haben, haben wir uns angefreundet und obwohl sie hunderte kilometer entfernt wohnt, sehen wir uns jetzt alle 4 wochen etwa.
solange ich sie nur virtuell kannte, war sie mir fremd...
und viele menschen verstecken sich auch hinter dieser anonymität, was ich auch völlig normal finde...auch für mich gibt es bestimmte tabus, über die ich im netz nie schreiben würde. mir macht es aber nichts, dass alle freunde, verwandten, bekannte hier mitlesen, aber selbst keine blogger sind, weil sie durch ihren job mehr als das einfach nicht schaffen. auch ich hatte erst zeit dazu, als ich berentet wurde...

NBerlin - 27. Jan, 10:40

Es ist wohl wirklich nur ein Anfang, bei dem man die eigenen Erwartungen und Bilder im Kopf klein halten sollte. Frei nach dem Motto: Ich weiß, das ich nichts weiß. ;-)
mammarazzi - 27. Jan, 18:27

so sehe ich das auch, allerdings entscheide ich auch "altersweise" (ich hoffe, mich sieht keiner grinsen), wen ich auch anhand schriftlicher äusserungen nicht sehen will. aber die meisten menschen kenne ich immer noch zuerst real, bevor ich dann auch virtuelle kontakte entwickle und halte es so für immer noch am besten...
NBerlin - 27. Jan, 19:25

Stimmt, ideal, sich real kurz beschnüffeln und virtuell dann zum Wesentlichen kommen. ;-)
bateman - 27. Jan, 11:55

Ein ganz klares NEIN. Begründung erübrigt sich von selbst.

NBerlin - 27. Jan, 15:59

Wieso?
bateman - 27. Jan, 19:55

Internet, Ha! Man kann jemand nur kennen, wenn man ihn persönlich kennt. Gespräche unter vier Augen. Das Internetz ist eine FARCE!
NBerlin - 27. Jan, 22:13

Warum klappt das dann mit den Flirtbörsen?
kittykoma - 28. Jan, 11:43

mit den flirtbörsen klappt es ja auch nur mehr oder weniger. den begegnungstest müssen die online-kontakte dann auch erstmal bestehen. und wenn der absolviert ist, kommt der konflikttest. und dann lockt das netz mit der suggestion "ich hab noch den ganzen compute voller menschen, ich muß mir das nicht antun".
man schreibt im netz gegenseitig an eine black box. man lernt genau das kennen, was jemand rausläßt. aber es gibt nur offenheit und keine intimität, vertrauen schon garnicht.
NBerlin - 28. Jan, 11:55

Genau die vermeidlich große Auswahl an Traumpartner im Netz, - dem ist nicht so. ;-)
Ich finde Offenheit steht auch für Vertrauen und im Grunde kann man in Real genauso lügen wie im Netz......
andiberlin - 27. Jan, 15:53

Ich stimme mit der Mehrheit überein, und sage auch "nein". So ein bissel Geschreibsel macht wenig aus. Erst Face to face, im direkten Gespräch lernt man jemanden kennen. Egal wie viele Jahre man sich schreibt oder wie intensiv man ein Blog liest.

NBerlin - 27. Jan, 16:05

Stimmt wohl, aber schade das man die Informationen die man schon glaubt zu haben, dann auch nicht wirklich verwenden kann...muss man dann alles neu erfragen....
Dagger - 29. Jan, 14:53

*Lacht. Das fragt sie mich, den Finya-ver- und gewöhnten Dagger. *ggg

Frage Nummer eins: Wie weit geht - sprich: definiere - kennen.

Fakt Nummer zwei: Meine Exfreundin sagte mir nach ein paar Wochen telefonieren dass ich sie besser kennen würde al die meisten ihrer Freunde. Und das Wochen bevor wir und das erste mal in den Armen gelegengesehen haben. Das kann natürlich auch heißen dass kaum einer ihrer Freunde sie richtig kannte.

Aussage Nummer drei: Man kann ganz schön viel von einem Menschen kennen wenn man mit ihm schreibt. Noch mehr wenn man ihn hört. Noch viel mehr wenn man ihn sehen kann usw. Für mich reichten häufig die Möglichkeiten des Netzes aus um für mich feststellen zu können Den magst Du näher kennenlernen. Oder lieber nicht. Aber wen ich auch bisher kennengelernt habe. Die Menschen sind so unetrschiedlich das ich schon die unterschiedlichsten Konstellationen von Eigenschaften und Verhaltensweisen gesehen habe ich sagen kann: Das Netz allein reicht nicht um jemanden kennenzulernen wie ich es wollen würde um zu sagen Ich kenne die- oder denjenigen.

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