Der Tod meiner Mutter

Sie wird sterben. Hirnblutungen, irreparabel. Ich werde nach Köln fahren, ich will sie nochmal sehen, mit ihr reden. Sie muss es gewusst haben, sie sprach in letzter Zeit so oft von ihrem Tod. Auch dass sie zum Schluss nochmal ein Gespräch mit ihrer Mutter gesucht hat, fand ich verdächtig. Jetzt wird sie da sterben, wo sie geboren wurde, ich finde auch kein Zufall. Sie wusste es, sie ahnte es, auch wenn kein Arzt irgendwas bei ihr entdeckt hat. Ich wusste es auch, ich hatte so ein schlechtes Gefühl wegen der Reise. Als gestern die erste Nachricht kam, wusste ich es auch, ich wusste ich werde sie verlieren. Immerhin hatten wir Frieden in letzter Zeit. Wir waren harmonisch, haben viel geredet und ihre letzten Worte von ihr an mich waren: Habe dich lieb. Ich werde nie wieder einen Menschen finden, der mich so sehr liebt, wie sie es getan hat. Jetzt bin ich allein auf der Welt, sollte ich je wieder in der Psychiatrie landen, werde ich dort alleine bleiben. Sie hat mich zu einer starken Frau gemacht, ich hoffe stark genug, um das hier zu überstehen. Ihr letzter Weg ging nach Köln und Umgebung zu ihrer Mutter. Mein letzter Weg geht nirgendwo hin. Ich muss ihr sagen, dass ich sie liebe, auch wenn sie eine schlechte Mutter war, ich liebe sie, sie ist die engste Bezugsperson in meinem Leben. Ohne sie bin ich nur halb, wie ein Einbeiniger mit nur einem Arm. Aber ich werde leben, ich weiß, dass sie das will, ich bin ihr einziges leibliches Kind. Ich mache mir Sorgen um meinen Stiefvater, er braucht sie um zu leben. Niemand, der für ihn kocht, bügelt und aufräumt. Keine Ahnung, ob ich einen Teil ihrer Arbeit auffangen kann. Ich habe noch all ihr Essen hier, was mache ich damit? Was machen wir mit ihren Laden, mit ihren ganzen Dingen? Ich habe Angst dass ich mich hier mit ihren Dingen einquartiere und nie wieder glücklich werde. Ich habe Angst allein zu sein, auch wenn ich alt genug bin. Nie wieder Weihnachten mit ihr, morgen hat sie Geburtstag. Ich rauche, ich zittere und überlege ernsthaft meine Dosis hoch zu setzen, ich muss jetzt stark sein, für sie, für mich, für meinen Vater und Bruder. Ich sehe ihr sehr ähnlich, sie wird in mir wohl weiter leben, nur bald wird mein Gesicht ein Unikat sein, das wollte ich immer, aber jetzt nicht mehr. Schaue ich in den Spiegel sehe ich sie. Gerade so verzweifelt gewesen den Krisendienst anzurufen, 25 Minuten Gespräch die ok waren, aber wenig hilfreich. Gestern dachte ich sie ist hier und beobachtet mich. Ihr Geburtstagsgeschenk liegt noch hier, es kam an an dem Tag als sie stürzte. Sie war nur 56 Jahre, kein Alter zum Sterben, die Frauen in meiner Familie werden eigentlich 80 bis 90 Jahre. Damit hatte ich auch gerechnet. Ich hoffe sie wird mich hören und spüren können im Koma, ich hoffe es so sehr.
rosenherz - 16. Aug, 23:34

Mein Mitgefühl dieser schwierigen Zeit - ich wünsche dir die nötige Kraft, die du jetzt brauchst für alles. - Und wisse, auch hier in der Blogcommunity stehen dir Menschen emotional zur Seite, liebe Nadine.

NBerlin - 17. Aug, 07:53

Danke liebe Rosenherz, ich weiß, es ist zwar nur virtuell, hat mir aber schon früher geholfen.
zuckerwattewolkenmond - 16. Aug, 23:45

Ich wünsche

dir viel Kraft in dieser schwierigen Zeit und hoffe, daß du alle Hilfe bekommst, die du benötigst. Da ich als Nachzügler ziemlich alte Eltern habe, habe ich diese Schrecken mit meinem Vater ja auch schon durch - das erinnert mich jetzt alles daran, aber 56 ist wirklich viel zu früh und eigentlich unerwartet. Um so erstaunlicher finde ich es, daß deine Mutter anscheinend etwas geahnt hat.

NBerlin - 17. Aug, 07:55

Heute geht es zur Familie, gestern allein zu sein war hart. Sie hat es geahnt, woher auch immer und ja, es ist viel zu früh.

Nadine in Berlin

Nadine in Berlin

Aktuelle Beiträge

Leider kenne ich den...
Leider kenne ich den westlichen Teil meiner Familie...
NBerlin - 15. Dez, 09:44
Früh, Ofen, Socken,...
Moin. Harte Nummer ausgerechnet am Samstag früher...
NBerlin - 15. Dez, 09:40
Passende Geschenke zu...
Passende Geschenke zu finden ist zumindest aus meiner...
C. Araxe - 14. Dez, 20:47
@Rosenherz: Das hoffe...
@Rosenherz: Das hoffe ich, mir ist jetzt soviel schlechtes...
NBerlin - 14. Dez, 18:55
@ Nadine Wer weiß,...
@ Nadine Wer weiß, möglicherweise ist das...
rosenherz - 14. Dez, 18:18

Archiv

August 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
18
20
21
27
 
 
 

Suche

 

RSS/Kontakt:

Kontakt: NadineInBerlin@gmx.de
RSS Feed Blogverzeichnis - Bloggerei.de Blogverzeichnis

Status

Online seit 4978 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 15. Dez, 09:44

Aus dem Leben
Bewegte Bilder
Evergreens
Ich bin dagegen
Köcheln
Kotz die Wand an
Lyrisch & Nachdenklich
Psychose
Wortfetzen
Zeitvertreib
Profil
Abmelden