Mängelexemplar

Gestern Abend fühlte ich mich durch und durch wie ein Mängelexemplar. Dick, alt und dann auch noch latent psychisch krank. So richtig unperfekt, dazu die Erkenntnis, dass ich ihn wohl für immer zu den Akten legen sollte und das alle seine schönen Worte wohl eine Lüge waren, um mich bei der Stange zu halten, als die Frau die seine Sachen in Deutschland regelt. Dann die Angst die beste Freundin zu verlieren, wohl auch wegen ihm, zweimal verloren. Das kein Geld da ist macht es nicht besser und das mein Bauch gestern in keine Hose passte, machte mich verzweifelt. Da esse ich seit Wochen keine Schokolade mehr und es tut sich nichts. Eigentlich nicht nur ein Mängelexemplar, eigentlich Müll diese Frau, die ich bin. Scheiß Leben, wer hat das für mich bestellt? Gestern lebensmüde Gedanken gehabt, Drama hoch 10. Heute dan eine Erklärung für das Drama, meine Tage, das war wohl PMS der bösen Sorte. Passend zu meiner Laune gestern Abend bei Arte den Film "Mängelexemplar" geschaut, ja auch andere haben nicht immer Glück im Leben, aber dafür ein Happy End. Ich versuche mich dann mal zu beruhigen, irgendwoher Zuversicht zu nehmen und besser nicht in den Spiegel zu schauen.
kunstbetrieb - 11. Aug, 22:25

Schöne respektive interessante Menschen sind niemals perfekt.

bonanzaMARGOT - 12. Aug, 08:22

wieso ist er daran schuld, wenn du (vielleicht) deine beste freundin verlierst?

mängelexemplare sind wir alle mehr oder weniger. umso älter wir werden, desto mehr mängel. ich fühlte mich gestern unendlich einsam - wie ausgeschissen vom leben... da fragte ich mich auch, was ich hier noch soll. solche zustände und gedanken kommen und gehen. ein besonders glücklicher bin ich nicht gerade. fuckin`psyche. aber vormachen will ich mir auch nichts. es ist, wie`s ist. es ist wie mit der dürre der letzten wochen... irgendwann wird`s schon wieder regnen. nur das darauf warten kann verflucht hart sein.

NBerlin - 12. Aug, 11:52

Selbstverständlich bin ich schuld, wenn das passiert. Fakt ist aber, dass er bei mir war als sie mich anrief und meinte sie will ins Krankenhaus. Da sie aber nicht gesagt hat dass ich mitkommen soll und ich mit ihm beschäftigt war, kam ich selber nicht auf die Idee anzubieten mitzugehen. Ja diesen Zustand sich ausgegeschissen vom Leben zu fühlen hatte ich vorgestern auch, da hilft wohl nur rumheulen, ignorieren und weitermachen. Genau es wird wieder besser, alles was wir brauchen ist Geduld.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 12:17

da finde ich deine freundin etwas zickig... ich kann verstehen, dass sie sich von dir alleine gelassen fühlte in dieser für sie schwierigen situtation. kommt auch drauf an, warum sie ins krankenhaus musste. lebensbedrohlich war es nicht, nehme ich an.
wie hättest du denn an ihrer stelle reagiert?
NBerlin - 12. Aug, 12:30

Es war nicht lebensgefährlich, aber sicher sehr schmerzhaft. Ich wäre auch enttäuscht von ihr, aber nur wenn ich sie darum gebeten hätte und die Antwort wäre Nein gewesen. Keine Ahnung warum ich damals nicht geschaltet habe, ich dachte sie schafft das allein.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 12:50

ja, im nachhinein ist man klüger. daran sieht man auch, wie wenig man den anderen kennt, obwohl man schon jahrelang befreundet ist. deine freundin sollte dir verzeihen. und du hast dich wahrscheinlich schon entschuldigt?
NBerlin - 12. Aug, 13:01

Ja ich habe mich entschuldigt und weitere Hilfen angeboten, aber sie antwortet darauf nicht. Das macht mir Sorgen. Ich hätte raffen können, dass sie möchte dass ich mitkomme, aber da ich Besuch hatte, habe ich halt nichts gerafft.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 13:11

vor ca. einem jahr war meine freundin im krankenhaus - ein kleiner eingriff, aber er verzögerte sich, so dass sie übers wochenende drin bleiben musste. ich begriff damals nicht, wie wichtig ihr ein besuch von mir gewesen wäre. ehrlich gesagt, weiß ich heute gar nicht mehr, warum ich sie nicht einfach besuchte. ich war zu bequem, zu betrunken oder einfach zu dämlich.
jedenfalls sagte sie mir erst jetzt bei unserer trennung, dass sie das sehr verletzte. damals war sie vielleicht zu stolz dazu. hätte sie es mir damals nur gezeigt... aber so sind wir menschen: wir denken, dass der andere doch unbedingt bestimmte dinge wissen muss. aber oft sind wir einfach zu sehr mit uns selbst beschäftigt, so dass uns dieses einfühlungsvermögen fehlt.
NBerlin - 12. Aug, 13:19

Dann geht es uns ja ähnlich, ich war wohl auch zu beschäftigt und dämlich. Wäre ich allein zu Hause gewesen, wäre ich vielleicht auf die Idee gekommen sie zu begleiten. Verstehe dass deine Freundin enttäuscht war, gerade vom Partner erwartet man sowas. Aber mit meiner besten Freundin ist es ähnlich, wir sind uns normalerweise auch Partnerersatz, nur dass ist damals einen anderen Partner auf dem Sofa sitzen hatte. Deswegen, meine Schuld, nichts zu schnallen, ihn wichtiger zu nehmen als sie, ich hoffe sie verzeiht mir.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 13:30

meine partnerin verzieh mir nicht...
ich hatte ihr vorher eine menge verziehen. aber das leben ist eben nicht mathematik.
NBerlin - 12. Aug, 13:41

Schade, und kein gutes Omen für mich. Warten wir ab, ich werde jetzt nicht anfangen ihr vorzuhalten was ich ihr verziehen habe.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 13:52

...machte ich auch nicht. bringt nichts. ich denke, dass sie diese sachen als vorwand für unsere trennung ausgrub. aber darüber kann man nicht diskutieren. die wahrheit weiß nur jeder in seinem innern. und es gibt menschen, die die wahrheit vor sich selbst wegsperren - oft ein leben lang.
dumm gelaufen also. ich mache ihr keinen vorwurf... trotzdem bin ich wütend. auf mich selbst mehr als auf sie. wie konnte diese schöne liebe so den bach runtergehen?
aber egal. vorbei ist vorbei. dieser knoten lässt sich im nachhinein nicht lösen. er bleibt als ungutes gefühl zurück, als etwas, das man für den rest des lebens mit sich herumschleppen wird.
NBerlin - 12. Aug, 14:05

Ich hoffe du wirst bald an etwas anderes denken können als an den Knoten. Ja die Gründe für Trennungen sind vielfältig, oft es es eine Summe aus vielen. Aber das Leben ist lang und es begegnen einen viele Menschen, wo man dann vielleicht das richtig machen kann, was man vorher falsch gemacht hat.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 14:16

meist wiederholt man seine fehler..., aber damit ist man in guter gesellschaft.
NBerlin - 12. Aug, 15:02

Ich verfolge da die Theorie, dass 3 Wiederholungen nötig sind, um endlich zu lernen. Ich hoffe die nächsten 2 Lernfehler machen ich mit anderen Personen.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 15:04

ich zählte nicht nach. bin inzwischen zu alt. theorien habe ich dahingehend nur eine: dass wir dümmer sterben, als wir geboren wurden.
NBerlin - 12. Aug, 15:09

Das glaube ich nicht, ich denke wir kommen dumm auf die Welt und sterben dumm, alles ein Kreislauf und in der Mitte gibt es wohl den intellektuellen Höhepunkt.
NBerlin - 12. Aug, 15:09

Das glaube ich nicht, ich denke wir kommen dumm auf die Welt und sterben dumm, alles ein Kreislauf und in der Mitte gibt es wohl den intellektuellen Höhepunkt.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 15:11

diesen intellektuellen höhepunkt habe ich dann wohl schon überschritten...
und du wirst knapp davor sein.
NBerlin - 12. Aug, 15:34

Vermute ich auch, ab der 40 geht es abwärts, dann geniße ich mal meinen denkenden Kopf, bevor es zu spät ist.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 15:39

Meinen denkenden Kopf konnte ich nie genießen. Der verdarb mir eher alles.
NBerlin - 12. Aug, 17:02

Auch wieder wahr, wie in dem Film Mängelexemplar auch gesagt wurde: Hören sie endlich auf zu denken, dann geht es ihnen besser. Na vielleicht ist die Blödheit im Alter doch erstrebenswert.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 17:13

Wir können unser Denken nicht abschalten... Das ist Quatsch und gelingt nur relativ kurz, wenn wir ehrlich sind.
Das einzige, was bleibt, ist... Sarkasmus. Bringen wir's hinter uns. Halbwegs mit Würde und nicht ganz so dumm, wie wir aussehen.
NBerlin - 12. Aug, 17:21

Leider, ich wüsste manchmal schon sehr gerne wo der Aus-Knopf ist. Ob Sarkasmus hilft wage ich zu bezweifeln, aber schlauer sein als man aussieht, ist sicherlich förderlich.
iGing - 12. Aug, 09:13

Wer glaubt, einer bestimmten Norm entsprechen zu müssen, der hält sich für ein Mängelexemplar, wenn er die Norm nicht erfüllt, und leidet darunter. Die Norm kann auch der eigene Anspruch sein, dem man gerecht werden will.
Da könnte es helfen, wenn man sich darauf besinnt, dass man mitsamt dieser Einstellung ein geradezu perfekter Mensch ist, dem zwar äußerlich gerade etwas fehlt, der aber innerlich mit allem ausgestattet ist, was ein Mensch braucht, um glücklich zu sein. Das ist unendlich viel wert und meine Wertschätzung aktiviert diese Gabe sozusagen. Das Leben ist ein unerschöpflicher Quell des Lernens und darf gern genossen werden!

NBerlin - 12. Aug, 11:59

Der Norm entspreche ich wohl nicht, aber ich vergleiche mich meist auch nicht mit der Norm, sondern mit meinen früheren Ich. Innerlich geht es mir wieder gut, mal sehen ob ich einen Schatz hervor zaubern kann. Ja lernen ist toll, könnte man glatt auf die Lebenssinn-Liste schreiben.
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 12:11

iging, ich glaube nicht, dass sich das so, wie du es beschreibst, trennen lässt.
das innere glück ist immer auch vom "äußeren wohlbefinden" abhängig, und andersherum.
das wahre glück liegt meiner meinung nicht allein im innern einer seele. was soll das alleine auch sein...?
der mensch lebt in spiegelwelten. wir spiegeln uns in unseren mitmenschen wider. darum ist es auch sehr schwierig für ein individuum, sich gegen die schönheitsideale oder andere von der allgemeinheit generierte vorstellungen und meinungen zu stellen. viele menschen haben dazu nicht genug charakter.
nadine hat einen sehr starken charakter. sie setzt sich permanent mit diesem "kampf" auseinander. das finde ich klasse an ihr. es gibt eben keine perfektion - weder im äußeren... noch im innern, also in der seele. es ist ein irrglaube, man könne dem ganzen äußeren druck entfliehen, wenn man nur in sich zur perfektion reifte. das eine wie das andere bedeutet betrug an sich selbst. das eine ergibt sich der äußerlichkeit des materialismus, und das andere der gehirnwäsche durch spirituelle indoktrination.
rosenherz - 12. Aug, 13:26

@ BoMa
Wie hätte Viktor Frankl (wie auch andere) das Grauenhafte im KZ überstehen können, wenn aus deiner Sicht hauptsächlich die äußeren Umstände ausschlaggebend wären?
bonanzaMARGOT - 12. Aug, 13:45

nirgendwo behaupte ich, dass nur die äußeren umstände ausschlaggebend sind. aber sie zu ignorieren, ist meiner meinung nach ungut. auch im kz musste man sich den alltäglichen (äußeren) gegebenheiten stellen, so furchtbar sie auch waren. nur so konnte man vielleicht überleben - wie im dschungel. dazu braucht man freilich einen starken charakter, der das, was man da sieht und erfährt, erträgt.
iGing - 13. Aug, 09:17

Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben, weil es mir schon sehr geholfen hat.
Ich habe dazu keine Tabletten und keinen Alkohol gebraucht und bin weder spirituell indoktriniert noch sonstwie gehirnmanipuliert. Ich pflege meinen eigenen gesunden Menschenverstand zu benutzen und aus ihm die Dinge zu verstehen. Dazu nehme ich alles zu Hilfe, was mir in diesem meinem Bestreben weiterhilft, und auf dieser Ebene versuche ich auch, mit anderen Menschen zu kommunizieren.
rosenherz - 13. Aug, 10:09

@ IGING
Für diesen Kommentar hege ich großen Respekt und empfinde viel Wertschätzung dafür.
iGing - 13. Aug, 10:42

Danke, Rosenherz!
bonanzaMARGOT - 14. Aug, 06:56

was das glück eines menschen ausmacht, bzw. wo es ist, bestimmst nicht du, iging, sondern jeder einzelne mensch für sich. und mein blick auf die menschen und die welt zeigt mir, dass sehr viele ihr glück im äußerlichen oder in materiellen dingen sehen. ich mag das auch nicht besonders, aber es ist so. ich muss es akzeptieren - auch wenn`s weh tut. viele menschen leiden unter ihren mängeln, z.b. dicksein, behinderungen, zu klein oder zu groß gewachsen, zu kleine brüste, zu große nasen etc., - das ist real, die menschen bilden es sich nicht ein. ebenso leiden viele menschen daran, dass sie nicht genügend wertgeschätzt werden, dass sie einen höheren sozialen status verdienten, dass sie für ihre arbeit unterbezahlt werden, dass sie sich nicht das auto leisten können, das sie sich wünschen... auch das ist real und nicht von der hand zu weisen. sind nun all diese menschen krank? fehlt ihnen die erfahrung ihres inneren glücks, oder die erfahrung, dass sie ja gott sei dank innerlich mit allem ausgestattet sind, wie du es schreibst? sollen all diese menschen umerzogen werden? zu buddhisten vielleicht? ist es nicht arrogant von uns, sie wegen ihrer hingezogenheit zum materialismus zu bedauern oder gar zu verurteilen? sind wir damit nicht auch oberflächlich - freilich unter dem deckmantel vermeintlicher weisheit und wie auch immer hergestellten inneren glücks?
apropos: ein gehirnmanipulierter würde die manipulation nicht als solche wahrnehmen...
widder49 - 14. Aug, 08:21

Menschen, die vermeintlich Glück bei Menschen finden, deren Äußeres (womöglich noch künstlich geschaffen) oder Vermögen sie ansprechen, sind oberflächlich.
Und all das zu verallgemeinern, finde ich genauso oberflächlich.

Woher weiß ich zum Beispiel, ob das große Auto, welches ein Typ fährt, dem gehört ? Vielleicht gehört es, weil auf Raten gekauft, der Bank? Oder es ist geleast?
Leute, die wirklich viel Kohle haben, mussten meist schwer dafür arbeiten und hielten es zusammen. Und geben es nicht so schnell und großzügig aus wie andere.
rosenherz - 14. Aug, 08:53

"was das glück eines menschen ausmacht, bzw. wo es ist, bestimmst nicht du, iging, sondern jeder einzelne mensch für sich." - Zitat Ende.
Diesen Satz in seiner grundlegenden Bedeutung ernst und wahrhaft zu nehmen, wie du (BoMa) ihn hier beschreibst, hieße dann auch, jeder Mensch bestimmt für sich selbst sein "Unglück"? Das träfe dann auch genauso auf dich selbst zu in deinem Glück und in deinem Unglück?
Mich würde dazu noch interessieren, an welchen Merkmalen du das bei jemand anderen feststellen kannst, er oder sie sei oberflächlich. Das musst du ja mit irgendetwas vergleichen, sonst könntest du es nicht feststellen. Worauf beruht deine Feststellung, jemandes Verhalten sei oberflächlich oder jemandes Verhalten sei tiefgründig? - Nein, ich will da jetzt kein allgemein gehaltenes Statement hören, die Welt oder die Menschen sind eben so und das könne jeder beobachten, der mit halbwegs offenen Augen durch die Welt gehe. ---> Mich interessiert, worauf du deine individuelle Sichtweise begründest und wie du argumentierst, was du fühlst.
bonanzaMARGOT - 14. Aug, 17:12

Morgen. Nur so viel schon, Rosenherz:
Gerade ich stelle doch in meinen Worten fest, dass das Glück gleichviel wert ist, egal ob es nach meiner Meinung oder Igings Meinung oder deiner Meinung oberflächlicher oder tiefgründiger Natur ist. Was für sein Leben Priorität hat, entscheidet jeder selbst...
bonanzaMARGOT - 14. Aug, 17:16

Widder, meinst du, diese Leute (ich beziehe mich auf die erste Aussage deines obigen Kommentars) sind oberflächlicher als du?
widder49 - 14. Aug, 20:53

Ja. Das meine ich.
Was habe ich von einem Partner, der viel Kohle hat oder viele Schulden bei der Bank, weil er alles in sein Aussehen oder in schnelle Autos steckt?
Geld habe ich immer selbst ausreichend verdient. Dafür habe ich nie einen Partner gebraucht.
Vertrauen, Zuverlässigkeit, für einander da sein usw.
Für mich wichtig, keine hohlen Phrasen.

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