Gesund oder krank?

Gibt es Gesundheit nach einer schweren Krankheit? Für mich eindeutig ja, für viele pflegende Menschen leider nein. Ich höre immer wieder dass ich krank sei, weil ich einmal diese Diagnose hatte. Aber seitdem sind Jahre ins Land gegangen und ich lebe auch seit Jahren symptomfrei. Für mich ist die Abwesenheit von Symptomen Gesundheit, ja ich würde mich derzeit als gesund beschreiben. Klar muss ich aufpassen nicht wieder zu erkranken, aber derzeit bin ich gesund. Doch die meisten die ich kenne sehen das anders, einmal krank immer krank, einfach weil es für psychische Krankheiten wie meine keine erprobten Heilungsmethoden gibt. Das regt mich auf, ich bin nicht krank, ich bin gesund temporär oder für immer, das wird die Zeit zeigen. Ich verstehe ja das Menschen die ihr Geld damit verdienen psychisch Kranke zu betreuen, einen Erfahrungsschatz haben der anderes besagt, aber ich finde es diskrimierend jeden mit einer einmaligen Erkrankung für immer krank zu stempeln. Wo ist da der Optimismus? Die Hoffnung? Immerhin sagt auch die Statistik dass nur 33,3 Prozent wirklich dauerhaft krank bleiben. Weitere 33,3 Prozent sind temporär gesund/krank und ganze 33,3 Prozent leben gesund nach einer einmaligen Episode. Ich hoffe nach wie vor dass ich zu den 33,3 Prozent gehöre mit einer einmaligen Episode und nein das lasse ich mir auch nicht ausreden. Pessimismus hat noch keinen weiter geholfen!
rosenherz - 11. Mrz, 15:25

Ja, das sehe ich auch so, es wirkt diskriminierend, wenn wir in einem "Gesundheitssystem" jemanden zu zementieren suchen mit dem Begriff "krank". Krank zu sein ist nur eine Seite der Medaille. Dass Krankheit oft tiefschürfende Entwicklungen mit sich bringt, ist eine andere Seite. Durch einen Krankheitsprozess durchzugehen bringt beispielsweise große Entwicklungsschritte bei Kindern mit sich. Ich kenne einen Arzt, der meint, es sei weniger entscheidend, was ein Mediziner diagnostiziert, als viel mehr das, wie sich eine Person fühlt.

NBerlin - 11. Mrz, 15:37

Danke für deinen Zuspruch! :-) Besonders bei meiner Krankheit sagen auch Experten, dass nur ich sagen kann ob ich gerade gesund oder krank bin, denn Niemand kann in meinen Kopf sehen, nur ich kenne ihn. Ohja es bringt wirklich starke Entwicklungsschritte, ich musste vieles neu lernen, mich völlig neu orientieren, aber ich denke ich bin jetzt auf einen guten Weg.
NBerlin - 12. Mrz, 10:22

Dem Diagnosesystem traue ich deswegen leider nicht, denn so liegt doch nah schlimmere Diagnosen auszusprechen als wirklich vorhanden sind, einfach um mehr Geld zu machen. Ähnliche Sachen sind in der USA mit der Diagnose Depression passiert, dort kriegen jetzt sehr viele Leute Tabletten die vielleicht einfach nur eine schlechte Phase hatten.
bonanzaMARGOT - 12. Mrz, 05:16

über die details deiner krankheit, was sie in deinem kopf macht, solltest du mit einem neurologen reden. der kann dir erklären, was daran unheilbar ist, und warum du unter umständen nie ganz ohne medikamente auskommen wirst.
so ist das allgemein bei chronischen erkrankungen. nehmen wir z.b. einen diabetiker (typ 1). der muss sich ja nicht krank fühlen, wenn er mit insulin gut eingestellt ist, aber de facto ist er eben krank, weil die ursachen zu zeit noch nicht zu heilen sind.
das ist kein grund, kein normales leben zu führen. man muss halt nur gewisse dinge beachten. sehr viele menschen haben chronische erkrankungen und kommen mit ihnen gut klar. man merkt ihnen nichts an. psychische erkrankungen sind allgemein noch stigmatisiert... das liegt aber nicht an ihrer unheilbarkeit sondern an den vielen vorurteilen gegenüber psychisch kranken, die es in der gesellschaft gibt.

NBerlin - 12. Mrz, 10:31

Ich habe schon mehr als mit einem Neurologen darüber gesprochen, Fakt ist dass die Medikamente zwar helfen es aber auch schlimmer machen, denn das Gehirn verändert sich mit den Medikamenten und wird anfälliger. Mit dieser Lebensaussicht lebenslang Medikamente zu nehmen möchte ich mich noch nicht abfinden, denn es besteht die Chance bei mir dass ich vielleicht irgendwann ohne Medikamnete auskomme. Das ist meine Hoffnung, wieder richtig gesund sein, ohne Medis und auf dieses Ziel arbeite ich hin. Vorurteile kommen von Unwissenheit, man fürchtet dass was man nicht kennt. Über die Depression wurde in den letzten Jahren viel in den Medien gesprochen, jetzt fehlen noch die anderen Krankheiten.
bonanzaMARGOT - 13. Mrz, 04:53

über alkoholismus wird auch immer mal viel gesprochen, trotzdem bestehen die vorurteile fort.
NBerlin - 13. Mrz, 12:10

Aber fast Niemand hat Angst vor einem Alkoholiker, es sei denn er ist aggressiv. Ich finde die meisten Alkoholiker sind sehr gut in die Gesellschaft integriert, weil Alkohol zur Gesellschaft gehört.
bonanzaMARGOT - 14. Mrz, 04:53

... solange sie halbwegs angepasst sind wie ich.
bonanzaMARGOT - 14. Mrz, 04:54

und kaum einer würde von diesen "angepassten" zugeben, dass er alkoholiker ist. warum wohl?
NBerlin - 14. Mrz, 10:14

Weil es in unserer Gesellschaft kaum auffällt, Alkohol ist überall.
widder49 - 14. Mrz, 10:33

Meine Schwester und eine Freundin waren über 40 Jahre mit Alkoholikern verheiratet. Nach außen angepasst. Und trotzdem wußten es alle.
Es war kein Spaß für die Familien und sehr oft unerträglich für die Kinder.
Immer waren nämlich sie und die Mütter diejenigen, die Schuld am nächsten Exzess hatten. So wurde es ihnen durch die trinkenden Männer zumindest vermittelt.
bonanzaMARGOT - 14. Mrz, 13:18

Ja, das ist das Elend des Koalkoholikers. Auch hier wird die Doppelbödigkeit unserer Gesellschaft sichtbar. An mangelnder Aufklärung kann es eigentlich nicht mehr liegen.
widder49 - 14. Mrz, 13:49

@bonanza
Was hätten sie, Deiner Meinung nach, tun sollen?
Beide Familien waren zu Lebzeiten der Männer bei Al-anon und haben viel dafür getan, den Ehemann/Vater zu verstehen.
Fallenlassen? Alleinlassen?
bonanzaMARGOT - 14. Mrz, 15:09

Je nach Beeinträchtigung und Bedrohung des eigenen Lebens, muss man ihn loslassen, auch zu seinem Besten. Der Suchtkranke muss sich seiner desolaten Situation stellen, ansonsten hält er ewig an seinem Verhalten fest - er wird ja immer wieder unterstützt.
widder49 - 15. Mrz, 12:34

@bonanza
Ihr eigenes Leben oder das der Kinder war nie bedroht.
Und mit Alkohol versorgt haben sie ihre Männer auch nie.
Sie hatten eine Menge gelernt bei der Angehörigen-Gruppe. Und machten auch den Mund auf.
Meine Freundin fragte immer, ob wir unsere Männer verlassen würden, wenn sie eine schlimme Krankheit hätten. Nichts anderes sei Alkoholismus.

Diese These, fallenlassen und sich stellen, ist bekannt. Manchen hilft das vielleicht - ich kenne das zum Teil aus dem Bereich Drogen.
Große Erfolge hat man damit aber offensichtlich nicht gehabt, sonst gäbe es wohl nicht so viele andere Therapien.
bonanzaMARGOT - 15. Mrz, 12:55

Du schriebst oben: "Es war kein Spaß für die Familien und sehr oft unerträglich für die Kinder"
Sowieso gibt's kein Patentrezept und ist eine schwierige, individuelle Entscheidung.
widder49 - 15. Mrz, 13:40

Richtig. Unerträglich, weil die Väter nie nüchtern waren und nicht am Familienleben teilnahmen. Weil finanzielle Probleme da waren. Weil viele Freunde sich abwenden.
Das Thema Alkohol betrifft Frauen und Männer. Meine Nachbarin musste ihrer Mutter in den 60ern vor Schulbeginn Alkohol besorgen, sonst hätte sie nicht zur Schule gehen dürfen. Woher das Geld kam, interessierte die Mutter nicht.
Und wenn sie Geburtstag hatte, wußte sie nie, wie ihre Mutter "drauf" war. Vorzeigbar oder eher peinlich oder garnicht ansprechbar.
Meine Nachbarin ist mit 13 Jahren von zu Hause weg. Ihre Mutter starb ca. 2 Jahre später nach Abusus.
Die Kinder meiner Schwester und Freundin reagieren heute, im Alter zwischen 35 und 45, allergisch auf Alkohol.
bonanzaMARGOT - 15. Mrz, 13:57

Das widerspricht ein wenig dem, was du auch schriebst, dass sie scheinbar mit dem Alkoholismus des Familienmitgliedes einigermaßen zurecht kamen.
widder49 - 15. Mrz, 17:42

Das sehe ich garnicht so.
Sie haben für sich beschlossen, dass sie zwar eine Weile mit dem Alkoholproblem in der Familie leben konnten bzw. sich arrangieren mussten.
In ihrem selbstbestimmten Leben ist dafür aber kein Platz.
bonanzaMARGOT - 15. Mrz, 18:24

Ich kann nur deine Einschätzungen lesen. Ich kenne diese Leute nicht - habe nur allgemein etwas Ahnung von Alkoholismus, Alkoholikern und ihrem Umfeld.
widder49 - 15. Mrz, 19:43

Das ist richtig.
So komplexe Themen lassen sich auch nicht in wenigen Sätzen ausführlich vortragen.

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