Vergeblich

Alles was ich tue, vergeblich.
Ich bin die geborene Verliererin.
Seitdem großen Verlust vor 4 Jahren habe ich alles verloren.
Meine Karriere, meine Kollegen, meine Freunde, meine Gesundheit, mein gutes Aussehen.

Ich wünschte ich könnte zurück, zurück in diese Zeit.
Ich würde so vieles anders machen.
Doch es gibt kein zurück.

Jetzt bin ich eine dicke, nicht mehr ganz so junge Frau.
Ich will nicht undankbar sein, die Kopfdämonen sind weg.
Ich kämpfe jeden Tag, für mich, für andere, ich glaube auch vergeblich.
Man kann sich Liebe nicht verdienen, sie wird verschenkt.
Doch ich sehne mich so, vergeblich.
rosenherz - 22. Mrz, 21:46

Oh, ein Text der sich der scheinbaren Vergeblichkeit widmet. Ausdruck deines momentanen Empfindens. Eine Momentaufnahme deines Lebens, oder ein Bild, das du von dir geschaffen hast.

Und doch ist die hier angesprochene "geborene Verliererin" nur ein Denken über sich selbst, mit dem der Wirklichkeit etwas übergestülpt wird wie eine Mütze. Ein Werturteil, in dem du dich als "Verliererin" bezeichnest und entwertest. In Wirklichkeit erscheinst du wie jeder Mensch auf dieser Erde eine einzigerartige Person, die in dieser Welt Erfahrungen macht. Wie du diese dann bewertest und in deinen Lebensreigen einordnest, liegt in deiner eigenen Hand.


Und ich möchte den Blick auf das Mögliche richten, wenn du schreibst, was du alles verloren hast ... steht dir zugleich ganz viel an Möglichkeit offen. Du kannst sprechen, kannst eigenständig denken, kannst deine Gefühle äußérn, kannst selbständig essen, kannst mobil sein, kannst dich bewegen auf eigenen Füßen, kannst lesen und kannst schreiben, alles was anderen Menschen nicht selbstverständlich möglich ist. Ich denke dabei an einen Bekannten in unserer Straße, der seit drei Jahren als Pflegefall ans Bett gefesselt ist und weder sprechen, noch selbstständig essen kann oder auch nur allein zur Toilette gehen. Ich denke an gehbehinderte Menschen, für die jeder Meter auf der Straße von A nach B zu einer unbeschreiblichen Mühe geworden ist oder denke an Frauen, deren Gesichter durch Säureangriffe zerstört wurden.

Hast Internetzugang, was beispielsweise Millionen Menschen auf diesem Planeten nicht möglich ist. Oder hast jeden Tag Zugang zu sauberem Trinkwasser, was Millionen Menschen auf diesem Planeten ebenfalls nicht möglich ist. Du kannst neue Freunde finden, du kannst dich trotzdem selbst mögen und lieben, unabhängig davon wie du aussiehst ... du hast ein Zuhause, in dem du dich überwiegend sicher fühlen kannst (im Vergleich zu den vielen Menschen, die jeden Tag unter kriegerischen Auseinandersetzungen um ihr Leben bangen müssen) ... und du kannst dich überwiegend sicher fühlen, nicht jeden Tag vergewaltigt zu werden, wenn du dich auf den Weg nach draußen machst ...

Vielleicht mag ich deshalb den Blick auf das Mögliche richten, weil ich vor Jahren selbst einmal in einer Situation steckte, in der ich gedacht und geklagt hatte, ich hätte in diesem Zusammenbruch alles verloren. Genau in diesem Tiefpunkt hatte ich erkannt, wie eingeschränkt mein Blick gewesen ist - und wie wenig Wertschätzung ich für das Geschenk des Lebens gehegt hatte.

NBerlin - 22. Mrz, 22:48

Ja hast ja Recht bin ein undankbares Stück. Lebe in Wohlstand und Sicherheit und bin scheinbar wieder psychisch gesund. Meistens bin ich auch dankbar, über alles was ich seit meiner Krise wiedererlangt habe, aber ich will halt mehr und ich bin ungeduldig. Da bricht halt auch mal die Dramaqueen aus. Ich bin halt unglücklich verliebt und sehe gerade ein das es keinen Sinn hat und aktuell frustriert über meine Figur, ich war mal Leistungssportlerin, lange ist es her.
bonanzaMARGOT - 23. Mrz, 07:22

hey, schminke dir diese verlierer-scheiße ab!
das bist du... nehme dich und dein schicksal an. könnten wir wirklich so viel anders machen? vielleicht - dann eben andere fehler...
es ist ganz normal, dass wir uns dann und wann am boden fühlen, ohnmächtig und kraftlos, voller unerfüllter sehnsüchte...
du hast in den letzten jahren viel geleistet. du hast dich gegen deine krankheit gestemmt und bist auf dem weg, wieder ein normales leben zu führen. bleibe auf diesem weg...
immer wieder wollen uns die dämonen verführen und zum abgrund drängen. sie spielen mit unseren gefühlen und unserer würde. ich gehe ihnen mitunter auch auf den leim. aber richtig gekriegt haben sie mich nie.

NBerlin - 23. Mrz, 09:34

Ja gestern war so ein Tag, fühlte mich als Verliererin und am Boden. Heute ist es schon etwas besser. Sie werden mich auch nicht kriegen, aber mittlerweile ist schon vieles sehr lange wieder normal, da vergisst man die Krankheit langsam und auch die Dankbarkeit sie überwunden zu haben. Ich denke es ging gestern auch viel um ihn und den verlorenen Prozess, habe Angst ihn endgültig zu verlieren und verabschiede mich jetzt schon innerlich. Die Dramaqueen hatte halt ihren Auftritt und ich genieße es auch zu weinen, das konnte ich solange nicht.
steppenhund - 23. Mrz, 10:01

Solche Stimmungen kommen vor. Du darfst sie auch nicht zu leicht nehmen, sie gehören zum Verbesserungsprozess dazu. So richtig depressiv wirkst Du ja auch sonst nicht in deinen Postings.
Was das "dick" betrifft. Es gibt Personen, die darunter nicht leiden, und andere, die es eher bedauern und sich schlecht fühlen.
Ich habe unter meinem Gewicht bisher nicht gelitten, aber es ist notwendig, abzunehmen. Gesundheitlich und aus Gründen der Kondition. Ich kann sonst nicht ein zweistündiges Konzert durchstehen.
Also habe ich jetzt begonnen. Keine spezielle Diät. Einfach 500 Kcal weniger essen, als der Tagesumsatz braucht. Das funktioniert ziemlich gut, sogar ohne Sport. Die Grafik zeigt es. In einem Vierteljahr bin ich dort, wo ich sein will. 1 Kilogramm weniger pro Woche. Ich mache nichts anderes, als minutiös meine Konsumation zu notieren. Alle Kalorienangaben findet man im Internet. Ich stelle fest: ich muss nicht wirklich auf etwas verzichten. Nur die Naschereien zwischendurch sind die "Auffetter". Ich habe manchmal eine ganze Packung Rum-Kokos-Kugeln verputzt. Schon die Sackern sind bereits 800 Kcal, aber die Dosen waren wahrscheinlich mindestens 2500. (Das Gewicht weiß ich nicht mehr, wie viel da rein geht.) Was ich reduziert habe, ist Zucker und Alkohol. (Natürlich auch die Schokolade. Früher habe ich immer eine Tafel auf einmal verputzt, jetzt nur mehr eine Rippe, 90 Kcal :) ) - Ich mache das aber nicht aus Eitelkeit, sondern nur, weil ich das Klavierspielen wesentlich ernster betreibe als früher. Was heißt wesentlich? Gar nichts. Es sollte einfach "ernst" heißen. - Wenn ich mein Zielgewicht erreicht habe, werde ich vermutlich die Tabletten gegen Bluthochdruck auch stark verringern können. - Momentan befinde ich mich auf dem Gewicht, dass ich vor 12 Jahren hatte. Und ich will das Gewicht, dass ich 1988 hatte. Da hatte ich zwar auch 105 Kilogramm, aber der Arzt hat gemeint, Abnehmen wäre nicht ratsam, da ich sonst mit meinem Arbeitsstress nicht zurechtkäme. Damals habe ich wirklich ganz schön viel gehackelt. - Ich schreibe das nicht, um dich zum Abnehmen zu motivieren. Es soll nur als Information dienen, dass es relativ leicht ist, wenn man es will, weil man unter dem Gewicht leidet. Kann ich jetzt jedenfalls aus eigener Erfahrung bestätigen. - Liebe Grüße! https://static.twoday.net/steppenhund/images/20170323_Hans_Gewicht.jpg




https://static.twoday.net/steppenhund/images/20170323_Hans_Gewicht.jpg
NBerlin - 23. Mrz, 10:12

Danke für deinen langen Kommentar. Ich habe durch mein Gewicht wenig Probleme, es ist wohl mehr ein ästhetisches Problem. Ich laufe locker 1-2 Stunden am Stück, renne in den 5. Stock ohne Aufzug, trage meine Wocheneinkäufe nach Hause, nur beim Bücken stört mittlerweile der Bauch. Medikamente muss ich auch keine nehmen wegen meines Gewichts, aber neulich dachte im Bus wohl eine Frau ich wäre schwanger und wollte mir unbedingt ihren Sitzplatz anbieten. Das war ätzend. Bei mir sind es auch die Nascherein am Abend die wohl hauptsächlich für mein Gewicht zuständig sind. Ich frühstücke normal und abends gibt es dann ein meist gesundes Mittags-/Abendessen. Aber danach kommen dann Chips und Schokolade, also selbst schuld. Ich werde versuchen weniger von dem Kram einzukaufen, dann sollte es besser werden, wenn nichts da ist kann ich auch nichts in mich reinstopfen. Sehr schön dass du schon soviel abgenommen hast, das wäre auch mein Ziel. Ich möchte auch gar nicht richtig schlank sein, aber wenigstens unter 100 Kilo kommen, damit fühle ich mich wohl.
rosenherz - 24. Mrz, 09:50

... da wünsche ich euch beiden viel Erfolg bei euren Abnehm-Plänen.

@ steppenhund
Wie sich das ausgeht mit 500 cal weniger pro Tag und 1 Kilo Abnahme pro Woche ist mir noch nicht klar. 1 kg abnehmen heißt: 7.000 Kalorien weniger verbrauchen. Bei einem Einsparen von 500 cal täglich ergibt das 3.500 Kalorien pro Woche = ein halbes Kilo Abnahme.

Nadine in Berlin

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