Leben nach dem Tod, Behinderung, heiß und Coolbox

Einer geht noch! Oder so fühlt sich das Leben nach dem Tod also an. Warum auch immer Twoday ist noch da. So beginnt ein schöner Morgen, aufstehen, Kaffee kochen und Twoday aufschlagen. Gestern den letzten langen Tag der Schulung hinter mich gebracht. Heute nur noch ein paar Stunden, dann ist es geschafft. Ich musste feststellen, dass ich an meinen Begriff der Behinderung noch arbeiten muss. Ohne es gewollt zu haben, scheine ich wohl doch noch Vorurteile zu haben. Es ist derzeit zu heiß in der Stadt, gestern gegen Mitternacht hatte ich 28 Grad in der Bude und auch heute früh sind es 25 Grad. Schwitze die Tage wie wild, gestern war sogar mein ganzer Rücken nass, als ich heim kam. Ansonsten gestern mit 2 Tagen Verspätung eine Coolbox bekommen, in der die Hälfte bereits vergammelt war. Blöd wenn die Kühlelemente nur noch warmes Wasser sind, die Salate gammlig und der Käse geschmolzen. Mal sehen was der Versender Brandnooz dazu sagt, ich sehe den Fehler aber eher bei der Post. Auf in den Wedding heute wartet ein Zertifikat auf mich.
bonanzaMARGOT - 1. Jun, 07:58

Worin liegen denn deine Vorurteile hinsichtlich Behinderung?

NBerlin - 1. Jun, 14:18

Ich wurde so erzogen Behinderung als negativ zu sehen, dabei war ich selber behindert und bin es wohl auch jetzt noch ein bisschen. Ich habe immer gegen die Behinderung gekämpft und sie verschwiegen, einfach weil ich normal sein wollte. Da ist es schwierig mit Menschen umzugehen, die keine Chance haben ihrer Behinderung zu entfliehen.
bonanzaMARGOT - 1. Jun, 14:38

Jede Behinderung ist eine Einbuße und grenzt gewissermaßen aus. Das ist die Realität und kein Vorurteil. Als Vorurteil fasse ich es auf, wenn man einen Menschen aufgrund seiner Behinderung als minderwertig ansieht.
NBerlin - 1. Jun, 15:24

Ich sehe sie nicht als minderwertig an und verhalte mich auch ganz normal. Aber innerlich habe ich Mitleid und gleichzeitig kam der Gedanke auf wie gut es mir dagegen geht, das ist auch Diskriminierung.
bonanzaMARGOT - 1. Jun, 15:51

Schwachsinn. Entschuldige. Denn dies wäre doch dann erst ein Vorurteil - allerdings im umgekehrten Sinne.
NBerlin - 1. Jun, 18:09

Wie meinst du das mit umgekehrt?
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 08:48

wir neigen nicht nur zu vourteilen, welche unsere mitmenschen abwerten - es gibt ebenso vorurteile im umgekehrten sinne, die den zweck haben, menschen zu überhöhen oder unangreifbar zu machen. es kann ein regelrechtes gefecht mithilfe solch entgegengerichteter vorurteile entstehen. die einen, welche eine bevölkerungsgruppe mittels vorurteile in misskredit bringen, und die anderen, welche dieser erniedrigung mittels einer künstlichen überhöhung bzw. glorifizierung entgegenwirken. man muss sich z.b. nur mal den quatsch der (übertriebenen) genderizierung anschauen. oder nehmen wir die beinahe moralische unantastbarkeit israels dadurch, dass jegliche kritik sofort als antisemitismus ausgelegt wird etc. etc.
andere beispiele "umgekehrter vorurteile" (bzw. positiv-vorurteile) sind heldenverehrung, herrenrasse, adel, die wirkung einer uniform, allgemein titel, die verehrung gewisser berufsstände, prominenz, die wirkung des geldes...
NBerlin - 2. Jun, 11:01

Was ich meinte war eher die positive (wenn es sowas überhaupt gibt) Diskriminierung. Damit ist übertriebene Fürsorge gemeint. Ich sehe jemand braucht Hilfe und ich fange sofort ungefragt an zu helfen und entmündige diesen Menschen damit. Jemanden helfen kann also auch diskrimierend sein, von wegen du kannst das nicht, obwohl die Person das vielleicht auch allein hingekriegt hätte.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 11:44

schon klar. aber wenn ich einem behinderten begegne, kann ich doch nicht wissen, wie viel hilfe er braucht oder nicht - oder wie viel hilfe er sich wünscht oder nicht. da kann doch jeder ganz anders sein. wenn du aus unwissenheit deine hilfe anbietest, hat das nichts mit vorurteilen oder einer diskriminierung zu tun.
NBerlin - 2. Jun, 11:51

Doch man kann auch fragen und abwarten, statt sich gleich aufzudrängen, denn oft können die Betroffenen mehr als man denkt. Da muss ich noch umdenken, mehr fragen und mehr Geduld aufbringen. Das Ziel ist doch ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderung und nicht die totale Versorgung und Entmündigung.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 11:59

das kommt auf die situation an... klar, dass man im zusammenleben mit behinderten ebenso wie im zusammenleben mit nicht-behinderten vieles erfragen muss. das ist doch klar wie kloßbrühe - gilt für alle menschen im umgang miteinander und hat nicht unbedingt etwas mit ihrem behindertenstatus zu tun.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 12:02

einen menschen, der ertrinkt, frage ich doch auch nicht vorher: "entschuldigung, ich möchte mich nicht aufdrängen. vielleicht liege ich ja falsch, aber es sieht meiner meinung nach ganz danach aus, als ob sie gerade ertrinken. darf ich ihnen helfen, oder wollen sie es erstmal alleine versuchen?"
NBerlin - 2. Jun, 12:23

Das mit dem Ertrinkenten ist ein anderer Fall, klar braucht man da nicht fragen. Ich meinte eher Alltagssituationen in denen jemand vermeidlich Hilfe braucht, da sollte man nachfragen und abwarten, statt Jemanden gleich mit Hilfe zu überrennen.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 12:31

es gibt auch alltagssituation, wo sofort klar ist, dass jemand unterstützung braucht, z.b. beim ein- oder aussteigen in eine/aus einer straßenbahn oder ähnliches. ich wollte hier nur mit dem überspitzten beispiel des ertrinkenden klar machen, dass man nicht immer fragen muss, wenn die situationen klar sind. und man sollte sich dahingehend auch nicht verunsichern lassen.
ich kann mir gut vorstellen, dass den behinderten die übergroße fürsorge mancher menschen auf den sack geht, - trotzdem besser zu viel als zu wenig aufmerksamkeit und fürsorge, finde ich. mir wäre es auch am liebsten, dass alles "barrierefrei" wäre, aber das ist es eben nicht. und ausserdem ist nicht jeder behinderter gleich aufgestellt. freilich sollte man besser vorher fragen, wenn nicht not am mann ist. das versteht sich eigentlich von selbst.
NBerlin - 2. Jun, 12:40

Also ich bin jetzt, nach meiner Schulung, verunsichert. Aber ich denke das lässt sich mit Fragen alles klären, auch wenn ich jetzt tendenziell auch den Ertrinkenden fragen würde.
Es findet gerade halt ein Paradigmenwechsel statt, früher hieß es Behinderte verdienen Mitleid und Fürsorge, nach dem neuen Gesetz sollen sie jedoch selbstbestimmt leben dürfen und einer meiner Aufgaben ist jetzt ihnen dabei zu helfen möglichst selbstständig zu leben und bitte nicht in einem Pflegeheim zu landen.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 12:52

nach fast 30 jahren pflegeerfahrung sage ich dir: lasse dich bitte nicht von paradigmenwechseln verunsichern, sondern vertraue deinem eigenen gefühl im umgang mit den menschen. all die gefühle wie mitleid sind ganz normal und okay - sie dürfen nur nicht überhand nehmen und zu einem sogenannten helfersyndrom führen. ich versuchte die menschen, die ich pflegte und betreute, immer auch unabhängig von ihren behinderungen zu sehen. auf jeden dieser menschen musste ich mich aber anders einstellen. da gab es oft eine phase des zusammenraufens. hierzu gehört eine beidseitige offenheit. menschen sind verdammt komplizierte wesen, nadine. es kann keine perfekten regeln oder verhaltensrichtlinien im gegenseitigen umgang geben. nicht immer klappt es. dann kann vielleicht eine kollegin besser mit dem problempatienten umgehen. man muss immer gemeinsam nach lösungen suchen.
letztlich obsiegt das menschliche - und das funktioniert schon immer unabhängig irgendwelcher paradigmen am besten.
hilfe zur selbsthilfe ist ein alter schuh. die selbstständigkeit einer person sollte immer an oberster stelle stehen. nur kann man das nur erreichen, wenn der betroffene mensch in die zusammenarbeit einwilligt.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 13:06

die menschliche natur lässt sich nicht in eine theorie pressen.
drum versagte u.a. der sozialismus.
NBerlin - 2. Jun, 13:28

Was für wahre Worte und Ansichten. Eine Zusammenarbeit mit den Betroffenen ist Vorraussetzung, ohne geht es nicht. Ich versuche auch auf jeden individuell einzugehen, denn ich finde jeder ist anders und einzigartig. Ich finde die neuen Gesetze gut, aber der Pflegealltag sieht nun mal anders aus, da gilt es vieles zu verändern.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 13:38

das sind die ewigen probleme, dass gesetze nicht gut auf alle menschen passen. wir sehen das auch beim aktuellen bamf-skandal. die mitarbeiter (das fußvolk) nimmt sich früher oder später die freiheit, nach eigenem gutdünken vozugehen, wenn die von der politik oder den vorgesetzten verordneten maßgaben zu sehr von der erlebten basis-wirklichkeit abweichen. das passiert überall. nicht nur in behörden, sondern z.b. auch in pflegeeinrichtungen. bei bekanntwerden der "missstände" dann der große aufschrei, und tausend diskussionen folgen. ich sage dir schon jetzt, nadine, es wird sich darum kaum etwas zum besseren verändern. ein paar leute werden ausgetauscht, aber das eigentliche systemische problem bleibt von den verbesserungsmaßnahmen weitgehend unberührt. man benutzt hernach lediglich andere worte für dieselbe sache.
prost!
NBerlin - 2. Jun, 14:11

Oh, trampel doch nicht auf meinen Hoffnungen herum. Ich hoffe das Pflege und Betreuung besser wird, aber sehe es auch so dass die Betroffenen wohl für die Durchsetzung der neuen Gesetzte kämpfen müssen, von allein wird sich nichts ändern. Aber es gibt soviele die sich längst mit ihrer Situation abgefunden haben, die wollen nichts ändern und so läuft alles wie bisher.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 14:31

hoffnungen hatte ich dahingehend noch nie richtig. ich konnte immer nur auf ein paar halbwegs angenehme kollegen/kolleginnen hoffen. das war schon eine menge, wenn man die hatte. jedenfalls mehr als das warten auf eine veränderung zum guten von "oben".
die angenehmen kollegen/kolleginnen kamen..., aber sie gingen leider auch wieder. nicht wenige aus frustration. es blieben die doofen chefs und die arschkriecher. na ja, und ich hielt auch recht lange durch...
NBerlin - 2. Jun, 14:41

Das ist wohl auch eine realistische Sicht der Dinge, denn meine Erfahrung zeigt, dass sogar wenn Verbesserungen von oben kommen, sie damit noch lange nicht irgendwas verbessern. Ja der Frust in der Pflege und oft auch ein Burnout sind nicht selten, solange wie dur hätte ich es nie ausgehalten, ich habe schon nach einem Jahr Frusterscheinungen.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 14:47

den frust hatte ich von anfang an..., aber da ich sowieso in gewisser weise von der gesamten welt frustriert bin, machte es nicht so viel aus.
NBerlin - 2. Jun, 14:51

Ich nicht, am Anfang war ich noch sehr begeistert dabei. Bis ich dann realisiert habe, dass die Betreuung die ich machte, für viele eine lebenslange Einbahnstraße war.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 14:58

stimmt auch nicht ganz, was ich sagte.
ich hatte es mir nicht so schlimm vorgestellt damals als zivi (1986/87/88). was ich dann in der pflege als junger mensch erlebte, schockte mich nachhaltig. also bis heute.
ja, ich blieb trotzdem dabei. eben weil es auch gute kollegen/kolleginnen gab. und weil ich im großen und ganzen gut bei den alten menschen ankam. ich hatte sonst keinen plan...
ich bin froh, dass ich nun nach so vielen jahren den absprung aus der pflege schaffte. allerdings landete ich nur in einer anderen "einbahnstraße"/tretmühle, wenn man so will.
NBerlin - 2. Jun, 15:07

Ganz so geschockt bin ich nicht, denn ich denke in der ambulanten Psychiatrie geht es noch etwas besser zu als in der Altenpflege. Viel Potenzial für Frust ist aber trotzdem da, besonders wenn man ein emanzipiertes Menschenbild hat. Ganz so begeistert von meinen Kollegen war ich nicht, aber ich hatte meine Klienten schnell in mein Herz geschlossen und um die tut es mir auch jetzt leid. Ich denke für deinen Rücken ist es besser und sicher auch für die Psyche.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 15:23

die pflege und die pflegeeinrichtungen sowie -bedingungen von heute lassen sich auch nicht mehr mit 1986 vergleichen, als ich in dieses metier einstieg. nichtsdestotrotz überdauern viele der damaligen probleme bis heute. ich erlebte die tausend diskussionen zum pflegenotstand (30 jahre lang), und worüber reden wir heute? über den verfickten pflegenotstand.
nadine, glaube mir, wenn ich dir sage, dass wir in den achtzigern ein emanzipierteres menschenbild als heute hatten. vor allem ein ungezwungeneres - natürlicheres - weltoffeneres. dies empfand ich im nachhall der 68er bewegung damals als sehr wohltuend. inzwischen zog der mief der spießigkeit längst wieder in die köpfe der menschen ein. damals gab es ein paar jahre, wo man wirklich "freiheit" im miteinander spürte. die aufbruchsstimmung versiegte allerdings aus mir unbekannten gründen... wahrscheinlich sind wir menschen einfach zu blöde, um gute dinge über generationen hinweg für uns zu bewahren.
wir wissen heute mehr als zu jeder zeit und verhalten uns doch in vieler hinsicht wie die letzten trottel. man muss nur mal in die aktuelle weltpolitik schauen.
menschen verhalten sich gnadenlos opportunistisch. der idealismus hat immer nur kurz eine chance. es stellt sich also die frage, ob man sich als arschloch gut fühlen kann, oder ob man wie don quichotte (vergeblich) gegen das arschlochwesen mensch ankämpft. diese entscheidung trifft jeder für sich im stillen kämmerchen. sowieso bedeutet es vordererst eine auseinandersetzung mit sich selbst.
NBerlin - 2. Jun, 16:07

Ja habe gehört dass der Pflegenotstand noch deutlich mehr werden soll, letztens las ich das aktuell 30.000 Leute fehlen. Ich denke das Problem wäre aber leicht gelöst, wenn die Jobs in der Pflege attraktiver wären, womit ich hauptsächlich Bezahlung und Arbeitszeiten meine. Ich habe den Geist der 80er noch erlebt, als Kind zwar, aber stimmt schon damals war vieles freier und toleranter. Keine Ahnung warum das in den 90ern verloren gegangen ist. Ja wir sind zu blöde um gute Errungenschaften zu erkennen und zu bewahren, jede Generation will alles selbst herausfinden, Fortschritt sieht anders aus. Ich entscheide mich für Don Quichotte und versuche dabei nicht ganz so frustriert in die Welt zu gucken.
widder49 - 2. Jun, 16:10

Bei behinderten Menschen, ich spreche da von Körper und Psyche, sitzt unter dem Deckmantel Inklusion das Geld noch locker. Verglichen mit Seniorenheimen. Zudem ist da das zeitfressende Dokumentieren fast Nebensache.

Aber bei allen Hilfsbedürftigen gilt: Unterstützende Hilfe. Nie alles abnehmen und entmündigen.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 16:30

Wer alle Hoffnung aufgibt, ist schon zu Lebzeiten am Arsch.
Darum bin ich auch bei Don Quichotte, auch wenn's irre ist. Es ist auch mehr ein Kampf mit mir selbst.
Die Windmühlen stehen für die vielen Versuchungen und Irrwege, denen ich mich nicht einfach ergeben will.
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 16:34

Widder, ich habe nichts gegen die Idee der Inklusion. Aber erst müssen in den Schulen und Ausbildungsstätten die dafür notwendigen Bedingungen geschaffen werden. Und da sehe ich leider schwarz. Solche Ideen erreichen nie die Masse bzw.die Wirklichkeit.
NBerlin - 2. Jun, 16:59

@Widder: Genau darum geht es im neuen BTHG (Bundesteilhabegesetz), um mehr Inklusion und mehr selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderung oder von Behinderung bedrohten Menschen. Dafür hat Deutschland jetzt 60 Millionen locker gemacht, Geld dem ich wohl auch meinen neuen Job zu verdanken habe.
widder49 - 2. Jun, 17:08

@ bonanza: Das Dilemma beginnt doch schon im Kindergarten. Die Kindergärtnerinnen, die dort jetzt Dienst tun, haben ihre Ausbildung selbst bezahlt und hatten früher Kinder, die trocken und sauber waren. Heute tragen die Kinder noch Pampers, verstehen zudem die Sprache nicht, können kaum sprechen und werden oft erst nach dem Mittagessen abgeholt. Es wird erwartet, dass die Kindergärtnerinnen das alles bewältigen.

In der Schule geht es weiter. Hier in Rheinland-Pfalz wurde vor Jahren eingeführt, dass die Schulen mit Obst beliefert werden. Die Lehrerinnen schnibbeln, schälen und verteilen das Obst im Klassenzimmer. Manchmal müssen Teller verteilt werden, die in der Pause von den Lehrern gespült werden. Und die Tische müssen abgeputzt werden, damit der Unterricht in der nächsten Stunde weitergehen kann. Es geht Zeit drauf, die im Unterricht fehlt. Jeden Tag ein bisschen. Aber das läppert sich.
In NRW sind sie mit der Inklusion schon ein bisschen länger dabei. Aber auch da mussten Lehrer und Erzieher improvisieren. Oftmals sind die Gebäude nicht rollstuhlgerecht. Geschweige denn, die sanitären Anlagen.
Solange mit Seniorenheimen Gewinne gemacht werden dürfen, wird es ein Geschäft für die Betreiber bleiben. Und genau so lange wird sich an der Qualität für die Pfleger und Senioren nichts ändern.
Andererseits: wo sind die ganzen alten ausländischen Mitbürger, die vom Alter her neben den deutschen Bewohnern im Heim sitzen müssten?
Wie regeln die die Versorgung ihrer Alten?
Bei uns in der Einrichtung gab es ein paar wenige Senioren aus der ehemaligen UdSSR. Und eine Frau aus Brasilien. Die aber nur, weil ihr deutscher Mann vor ihr verstorben ist. Sie war zudem eine der wenigen, die täglich Besuch von der Familie bekam.
widder49 - 2. Jun, 17:24

Ja, ich weiß, Nadine. Neu ist das nicht. Seit mehr als 4 Jahren bin ich immer noch einmal wöchentlich ehrenamtlich im familienunterstützenden Dienst in einer Behinderteneinrichtung.
Schon im letzten Jahr wurde eine dicke Summe zusätzlich unters Volk gebracht.
Und ich frage mich, warum man nicht direkt die Möglichkeit geschaffen hat, Lehrberufe auf die Beine zu stellen mit regelmäßigen Fortbildungen.
Man rechnet auch hier wieder mit den Frauen, die diese Arbeit nebenbei machen. Und sich das Wissen schon irgendwie aneignen.
Aber was tun bei einem epileptischen Anfall? Oder bei Verschlucken? Oder, wenn ein behinderter Mensch hyperventiliert. Oder aus dem Rollstuhl oder Stuhl rutscht?
bonanzaMARGOT - 2. Jun, 17:29

Selbstverständlich beißt sich der Kapitalismus mit dem menschlichen Bemühen um eine sozial gerechte Welt. Das ist nichts Neues. Zwei sehr unterschiedliche Systeme treffen aufeinander. Das ist der Kampf, der ständig auf der Welt geführt wird. Seit der Aufklärung etwas offensiver für den Sozialismus. Der allerdings ging baden, weil die Menschen sich nie ihrem eigenem Arschgeruch stellen.
NBerlin - 2. Jun, 17:51

@Widder: Richtig, ausgebildet werden die Leute nicht, mein Beruf ist ein neuer Inklusions-Job, der auch mit Priorität an Menschen mit Handicap vergeben wird. Allerdings richtig ausgebildet werden wir nicht. Der Kurs letzte Woche und Online-Unterlagen zum selbst lernen ist alles was wir an Ausbildung erhalten. Der Rest soll wohl aus dem Erfahrungsexpertenkontext von alleine kommen.
widder49 - 2. Jun, 18:12

Ohoh...
Auf so etwas lässt sich "mein" Heim nicht ein.
Trotz meiner Ausbildung und der vielen Jahre Berufserfahrung und etlichen Fortbildungen müssen wir regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen.
Erste Hilfe natürlich regelmäßig, Epilepsie ebenfalls. Demnächst steht eine Woche Demenzschulung an. Es gibt ja auch viele Menschen mit Behinderung, die im Rentenalter sind.
Ich bin froh, bei meinem letzten Arbeitgeber noch eine einjährige Ausbildung Structogram, Triogram (Selbstkenntnis, Menschenkenntnis) genossen zu haben. Das erleichtert mir bei den Schwerstbehinderten sehr, sie zu verstehen.
NBerlin - 2. Jun, 18:18

Na es wird wohl kleine Fortbildungen vom Arbeitgeber geben, aber Menschenkenntnis und Verständnis scheint wohl erwartet zu werden, weil man selbst betroffen ist. Ich habe Respekt vor deiner Arbeit, ich weiß nicht ob ich das könnte, mich um körperlich Behinderte dauerhaft zu kümmern.
rosenherz - 2. Jun, 18:20

In Ö ist das beispielsweise mit der Ausbildung Sozialpädagogik geregelt, zB am Standort St. Pölten, das BASOP: 5 Jahre mit Abschluss Matura. Oder als Kolleg nach einem Matura- oder Studienabschluss, berufsbegleitend 6 Semester, oder in der Regelform 4 Semester.

Beispielsweise Caritas Wien bietet Altenpflege- und auch Bindertenausbildung, 5 Jahre mit Matura, 3-jährige Fachschule für Sozialberufe, 2-jährige Fachschule für Sozialdienste, Akademie für Sozialmangement usw.
widder49 - 2. Jun, 20:11

@rosenherz
Das ist hier, in den wirklich guten und erfolgreichen, langjährigen Einrichtungen, auch so,

@ Berlin
Menschenkenntnis wird erwartet? Und es reicht aus, selbst betroffen zu sein?
Hätte ich nicht Triogram und Structogram ausführlich kennengelernt, könnte ich bis heute nicht in Menschen "lesen", die sich nicht mehr ausdrücken können oder es noch nie konnten.
Wie weit kann man dich fordern? Wie weit bist Du belastbar? Kannst Du das in Dir selbst lesen?
Noch ist bei Deinem neuen Arbeitgeber ja alles neu.
Aber in der Vergangenheit warst Du häufig heute hochzufrieden, um am nächsten Tag wieder alles in Frage zu stellen.
Hier gibt es etwas Info in Triogram und Structogram, mit anderen Worten "Menschenkunde"
https://www.anthroprofil.de/seminare/
NBerlin - 3. Jun, 13:32

@Widder: Ich kann selbstverständlich nicht in den Gesichtern von körperlich Behinderten lesen, dazu fehlt mir das Wissen. Danke für den Link, ich werde mal lesen. In mir selbst lesen kann ich sehr gut und belastbar bin ich auf jeden Fall bis 30 Stunden die Woche, obwohl meine Ärztin sogar meint 38,5 Stunden. Danke für deine Beobachtung meiner Vergangenheit, ja so war es wohl eine Achterbahnfahrt der Zufriedenheit. Ich denke selbst betroffen sein macht einen schon sensibel für andere Ausnahmezustände, in meinen Fall die seelichen Erkrankungen, da habe ich ein sehr feines Gespür und habe schon mehrmals vor den Profis gewusst was oder das mit Jemanden etwas nicht in Ordnung ist.
rosenherz - 1. Jun, 09:40

Jö schau, twoday geht noch!

NBerlin - 1. Jun, 14:19

Ja seltsam, es wäre ja schön wenn das noch länger geht. Aber auch seltsam, man verabschiedet sich und dann tritt der Abschied nicht ein.
bonanzaMARGOT - 1. Jun, 14:51

Huhu Rosenherz! Wie geht's denn so?
Chattienchen - 1. Jun, 11:50

Ist ja fast wie im Märchen: ... und wenn sie nicht gestorben sind, dann bloggern sie noch heute ;-)!

NBerlin - 1. Jun, 14:19

Genau richtig! :-) Ich werde wohl so eine lebenslange Bloggerin sein.
bonanzaMARGOT - 1. Jun, 14:53

Wahrscheinlich schläft die böse Hexe nur ihren Rausch aus.
NBerlin - 1. Jun, 15:24

Dann hoffe ich sie hatte 2 Flaschen Vodka.
Schreibman - 1. Jun, 17:50

Also sowas

Wo soll das denn hinführen, wenn hier jeder macht, was er will. Es hat geheissen, das wird hier alles gelöscht und dann isses wech und jetzt isses immernoch da. Das nennt man doch wohl Täuschung oder Nichteinhaltung eines Versprechens. Dann kann ich ja jetzt auch hier irgendeinen Mist schreiben. Naja, mehr hab ich ja bisher auch nicht gemacht. Insofern, nix Neues, bleibt alles beim Alten. Nee, nich?

NBerlin - 1. Jun, 18:11

Stimmt diese unbestimmte Endzeit könnte einen jetzt verleiten alles abzusondern was man gerade nicht mehr braucht. Also los! Es verschwindet ja eh bald.

Nadine in Berlin

Nadine in Berlin

Aktuelle Beiträge

Ich versuche auf mich...
Ich versuche auf mich zu achten und wird es ganz argh,...
NBerlin - 20. Jun, 16:20
Wenn dir ein möglicher...
Wenn dir ein möglicher Kräfteverlust schwant...
rosenherz - 20. Jun, 11:30
Verpennt und Geduld
Upps, verpennt, jetzt heißt es beeilen. Diese...
NBerlin - 20. Jun, 09:45
Nacht, Beerdigung, Testament,...
Seltsame Nacht, oft wach gewesen, aber wieder eingeschlafen....
NBerlin - 19. Jun, 11:48
Wie mir dieser Traum...
Wie mir dieser Traum helfen soll, weiß ich allerdings...
NBerlin - 19. Jun, 11:18

Archiv

Juni 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 

Suche

 

RSS/Kontakt:

Kontakt: NadineInBerlin@gmx.de
RSS Feed Blogverzeichnis - Bloggerei.de Blogverzeichnis

Status

Online seit 4800 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Jun, 16:24

Aus dem Leben
Bewegte Bilder
Evergreens
Ich bin dagegen
Köcheln
Kotz die Wand an
Lyrisch & Nachdenklich
Psychose
Wortfetzen
Zeitvertreib
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren