Verloren und gedemütigt

Das gestern lief schief. Ordentlich schief. Ich habe zwar eine Vertragsverlängerung, aber nur bis Ende des Jahres. Bis dahin soll ich mir innerhalb des Unternehmens eine andere Stelle suchen. Angeblich bin ich ganz toll, aber sie meinten mich in Schöneberg im Laden ein zusetzten war ein Fehler. Dieser Fehler wurde mehrfach begründet, allerdings mit ihren Versäumnissen. Bis Jahresende soll ich dafür einen Coach bekommen und kostenlose Praktika an anderen Stellen im Unternehmen machen. Wie es genau zu dieser Entscheidung kam weiß ich nicht, denn mein Team hat mir eigentlich immer positive Rückmeldungen gegeben. Warum hat keiner früher mit mir gesprochen? Warum hat mir keiner gesagt was man von mir erwartet? Ich habe erstmal nur Ja und Amen gesagt und war tapfer. Kein Geheule, kein Drama und danach noch 5 Stunden arbeiten gegangen. Nach Feierabend nach Kreuzberg, den Hund belustigen und ausheulen bei Mama. Immer noch kein Drama, doch zu Hause angekommen und so stark angefangen zu heulen, dass ich kotzen musste. Es ist so ungerecht, wie will man etwas richtig machen, wenn keiner einem sagt, was erwartet wird und keiner einen über 10 Monate ehrliches Feedback gibt? Ich dachte ich wäre fertig mit kostenlosen Praktika, ich weiß nicht, ob ich es mir leisten kann kostenlose Praktika neben der Arbeit zu machen. Meine Hoffnung dieses Jahr aus Hartz IV raus zu kommen ist damit zerstört, dabei war ich die letzte Woche so optimistisch mich aus diesem System endlich verabschieden zu können. Das ist jetzt wieder in weite Ferne gerückt, wenn ich all meine Zeit investieren soll einen Job zu behalten, der mich auch nicht ernährt. Ich bin wütend, ich bin enttäuscht, fühle mich gedemütigt, aber sehe derzeit auch keinen Ausweg.
steppenhund - 28. Mrz, 12:52

Liebe Nadine, das ist natürlich sehr traurig. Aber ich glaube, dass Demütigung nicht wirklich empfunden werden muss. Es ist die heutige Zeit, wir wollen hire and fire. Man könnte vielleicht dagegen revoltieren, wenn sich ganz Deutschland aus der Knechtschaft der Amis befreit. Aber das wird noch dauern, falls es überhaupt funktionieren kann.

Die Frage ist, wieso bist Du gerade an das eine Unternehmen gebunden. Die könntest sie vielleicht bitten, dir ein gutes Zeugnis auszustellen. Dann bewirbst Du dich anderswo. Natürlich ist das nicht leicht.

Wenn ich an Deiner Stelle wäre, überlegte ich mir, ob ich nicht einfach putzen gehe. Und zwar in einer größeren Firma. Nach einer gewissen Zeit werden sie aufmerksam und setzen mich dann für etwas anderes ein. Wenn ich mir versuche, das auszurechnen, würde ich mit Putzen mehr verdienen als ich bei Hartz-IV bekomme. Und ich würde es bei Firmen nur angemeldet machen und privat schwarz. Also ich würde das tun, bevor ich ein kostenloses Praktikum mache. Allenfalls ließe ich mir einen kostenlosen Probemonat einreden. Aber das machen Firmen nicht. Wenn sie die Absicht haben, dich zu behalten, dann zahlen sie von Anfang an.
Was ist denn das überhaupt für ein Unternehmen, dass es keine Konkurrenz hat?

Bitte, das mit der Putzfrau ist nicht despektierlich gemeint! Manchmal rechne ich mir den Stundensatz aus und stelle fest, dass ich da schon ein ziemlich gutes Gehalt haben müsste, um nach den Abzügen noch auf den gleichen Satz zu kommen. Und die Kunden kann man sich ja wohl aussuchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Berlin anders als in Wien wäre.

Aber immerhin hast Du noch ein dreiviertel Jahr, um einen neuen Job zu suchen. Also Kopf und glaub an dich. Das machst Du doch sonst auch!
Anmerkung:
Kostenlose Praktika sind eine deutsche Erfindung, ganz ähnlich wie der Arbeitsdienst unter Hitler. Muss ich annehmen, dass jetzt endlich die Nazis wieder die Oberhand gewinnen. Wenn ich mir die Politisierung von Merkel ansehe, kommt mir die Gefahr gar nicht so unreal vor.

NBerlin - 28. Mrz, 20:18

Natürlich bin ich nicht an diese Unternehmen gebunden, aber ich dachte angekommen zu sein und das Unternehmen wirkte bisher sehr sozial auf mich. Das Problem mit dem woanders bewerben ist, ist das meine Qualifikation nicht von jedem Unternehmen anerkannt wird. Die Unternehmen die Leute wie mich einstallen kann man an einer Hand abzählen. Jetzt bin ich bei einem von zwei Riesen angestellt, der andere Riese kommt für mich nicht in Frage, denn er zahlt Mindestlohn und will dass ich dafür putze und einkaufe. Will ich putzen und einkaufen für Geld, dann verdiene ich an anderen Stellen besser. In der Klinik möchte ich nicht arbeiten, denn das wäre mir psychisch zuviel und wie ich hörte zahlen auch die oft Mindestlohn. Ich finde am putzen gehen nichts schlechtes, habe ich früher auch gemacht und wenn alles schief läuft würde ich das auch wieder machen, allerdings dann irgendwo direkt als Putzfrau und nicht als Erfahrungsexpertin zum Mindestlohn die dann auch nur putzen darf. Ja ich habe Zeit mich neu zu orientieren, ich denke ich kann auch anders mein Geld verdienen als bei diesem Unternehmen, nur ich habe es halt gerne gemacht. Die unbezahlten Praktika sind eine Seuche, die seit den 90ern in Deutschland tobt. Damals sprach man schon von der Generation Praktikum. Es wurde ja diskutiert dass in einem Praktikum eigentlich auch der Mindestlohn gelten müsste, das wurde aber schön abgewendet.
steppenhund - 28. Mrz, 20:34

DU WIRST DAS SCHAFFEN !
zuckerwattewolkenmond - 28. Mrz, 14:17

Ist dir schon einmal

der Gedanke gekommen, daß du vielleicht gar nichts falsch gemacht hast, aber daß dieses Unternehmen die Verzweiflung mancher in Hartz IV befindlicher, arbeitswilliger Menschen weidlich ausnutzt für kostenlose Praktika? Glaub mir, es wäre nicht das erste Unternehmen, das damit Personalkosten einspart. Da ich einmal in diesem Bereich des öffentlichen Dienstes gearbeitet habe, kenn ich das. Deshalb gab es ja damals auch Zuschüsse als zusätzlichen Anreiz für Unternehmen, Leute in echte Arbeitsverträge zu übernehmen, weil es von allein die wenigsten getan hätten. Ich habe damals diese Zuschüsse berechnet und ausgezahlt. Ich weiß nicht, ob es die mit Hartz IV immer noch gibt, könnte mir aber vorstellen, daß manche Unternehmen die kostenlosen Praktika bis zur Schmerzgrenze ausreizen und dafür werden dann halt auch irgendwelche komische Begründungen vorgeschoben.

steppenhund - 28. Mrz, 14:53

Also ohne die näheren Umstände zu kennen, kann ich mir das sehr gut vorstellen, dass diese Institutionen so ticken.
NBerlin - 28. Mrz, 20:27

Danke Zuckerwattewolkenmond für deinen Kommentar, er tröstet etwas. Klar verdienen diese Unternehmen an Praktika, wie soviele andere Unternehmen auch. Leider kann ich nicht behaupten dass mir nicht bekannt ist, das mein Unternehmen sowas macht. Einen Freund und ebenfalls Absolvent meiner Ausbildung hat für mein Unternehmen jetzt fast ein Jahr kostenlos gearbeitet, bis sie ihm jetzt eine Einstellung unterhalb eines Minijobs gegeben haben. Auch habe ich mal nachgerechnet welchen Profit das Unternehmen ungefair mit mir macht und dagegen sind die Lohnkosten ein Witz. Solche Zuschüsse gibt es immer noch, doch es hat sich was geändert, man bekommt selbst einen Zuschuss von bis zu einem Jahr, wenn man es schafft raus zu kommen.

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