Sonntag, 10. Juni 2018

Verfolgt und Döner

Ich fühle mich verfolgt. So richtig real. Überall wo ich gehe ist ein Hund. Besonders in der Wohnung ist es etwas nervig, verlasse ich einen Raum, kommt er hinterher, überall hin, jederzeit. Allein auf der Toilette sein, eine Durchsetzungsfrage, erwischt werden, wie man das 5 mal in der Küche steht, nervige Selbsterkenntnis. Na ja nicht mehr lange, dann bin ich hoffentlich wieder unbeobachtet.

Dann wurde ein Wunsch von mir erfüllt: Ein Dönerladen in meiner Gegend. Na ja nicht ganz, es ist eigentlich ein Asia-Imbiss der jetzt auch Döner verkauft. Obwohl ich darauf gewartet habe und Döner liebe, machte der Spieß in den kleinen heruntergekommenen Wagen keinen vertrauenerweckenden Eindruck auf mich. Auch stelle ich als ehemalige Kreuzbergerin und Neuköllnerin Kompetenzfragen, weiß die kleine asiatische Frau wirklich wie man Döner zubereitet? Ich könnte einfach probieren, dann wüsste ich Bescheid, aber irgendwie habe ich Schiss noch mehr als einen schlechten Döner zu erwischen.

Frühaufsteher, Hoffnung, Kontakte und Papierkrieg

Wer hätte das gedacht, dieser Hund ist ein Frühaufsteher. Obwohl ich erst gegen Mitternacht mit ihm draußen war, leckte zwischen 6 und 8 Uhr der Hund an meiner Hand und versuchte mich sanft zu wecken. Mehrere Versuche folgten, bis ich gerade aufgegeben habe. Die Kuscheleinheiten am morgen gerade haben dafür gesorgt, das meine ganze Nachtkleidung jetzt haarig ist. Die Arbeit gestern hat Hoffnung gemacht, Hoffnung, dass ich dieser Furie auf dem Arbeitsamt entgehen kann, gleich morgen werde ich die Reha-Abteilung des Arbeitsamtes anrufen. Die Sonne scheint und es ist hier nichts von Unwettern zu sehen, dabei wäre ich scharf auf ein Unwetter. Die Hunde in der Gegend reagiere bisher nicht sehr positiv auf meinen Gast, gestern sind mehrfach Hunde ausgerastet nur, weil sie ihn gesehen haben. Sie fehlt, er fehlt und auf der Toilette hat es sich eine Spinne gemütlich gemacht. Gestern stundenlang mit meinen Handys verbracht, denn ich habe ein neues gebrauchtes Handy, für das ich eine neue SIM brauchte. Soweit so gut, aber was ich nicht bedacht hatte, dass bei einer neuen SIM alle Kontakte weg sind. Also habe ich gestern stundenlang Telefonnummern und Namen abgetippt, damit ich mich in Zukunft nicht über unbekannte Nachrichten und Anrufe wundere. Einmal dabei dann, zahlreiche Nummern wegegelassen, ich brauche keine Nummern von Ex-Kollegen und auch nicht von Ex-Liebhabern. Werde mich gleich zur Frührunde mit dem Hund quälen und später dann mit dem Hund ne große Runde im Wald machen. Alles friedlich hier, Papierkrieg erst wieder ab morgen.

Nadine in Berlin

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