Sonntag, 17. April 2016

Heather

Gerade meinte es der Shuffle gut mit mir und hat mir eines meiner Lieblingslieder zu Ohren gebracht. Seit Jahren eines meiner Entspannungslieder, vom eigentlich so lauten Schlagzeuger Billy Cobham. Die LP dazu habe ich auch und bewahre sie als Schatz auf. Genau das Richtige zum Entspannen am Sonntag:

Das Leben geht weiter

Wieder zu früh wach gewesen, aber noch mal hingelegt. Kann ja nicht sein, dass ich am Sonntag um 8 Uhr wach bin. Keine Ahnung warum ich derzeit zum Frühaufsteher mutiere, so richtig lang wach bleiben kann ich auch nicht mehr. Jetzt gibt es erstmal Kaffee und die Waschmaschine läuft bereits, muss dringend noch putzen, denn der ganze Haushaltskram ist die Woche liegen geblieben. Gekocht wird heute auch noch, den es kann ja nicht sein dass ich mich von Tiefkühlkost und Dosenfraß ernähre. Damit koche ich dann auch für die Woche vor, so dass ich mir abends nur was in die Mikrowelle schieben brauche. Gestern wurde mir nochmal bestätigt dass ich im letzten Jahr große Fortschritte gemacht habe was meine Gesundung angeht, ich bewege mich wieder flüssiger, rede mehr und bin lebhafter. Ich würde es ja als Lebensfreude bezeichnen, die ich wieder gewonnen habe, denn ich bin wieder da im Leben. Jahrelang fühlte ich mich dank der Medikamente wie ein Zombie, lebendig aber doch irgendwie tot, aber jetzt geht das Leben endlich weiter.:-)

Das Dach (Teil 10)

Während ich in meiner Psychose war lebte ich in einer Dachgeschosswohnung in Friedenau. Sie hatte keinen Balkon, aber im Bad gab es eine Dachluke die sich aufklappen lies. Kleines Problem nur, wie da rauf kommen? Also ging ich los um in einen Baumarkt eine Leiter zu kaufen, sie war circa 3,50 Meter lang und und kostete mich ein kleines Vermögen. Sie nach Hause zu kriegen war die nächste Herausforderung, denn mit der U-Bahn und S-Bahn war das gar nicht so einfach. Aber ich war wild entschlossen und so fuhr ich mit meiner Leiter U-Bahn und S-Bahn und schleppte sie dann in den 5. Stock.

Schon monatelang wollte ich auf das Dach, doch vor lauter Arbeit blieb nie Zeit um sich eine Leiter zu kaufen. Jetzt war ich jedoch arbeitslos und psychotisch und wollte unbedingt aufs Dach. Ich stellte die Leiter in die Badewanne und kletterte das erste Mal hinauf, das Rausklettern war jedoch gar nicht so einfach und so holte ich mich zahlreiche blaue Flecken um das Dach zu erklimmen. Als ich jedoch oben war, war es phantastisch ich hatte einen 360 Grad Blick über Berlin und die Sonne schien. In den folgenden Wochen machte ich es mir bequem auf dem Dach und lernte auch hoch zu klettern ohne mir dabei blaue Flecken zu holen. Ich sonnte mich, kiffte, aß auf dem Dach und genoss die Aussicht.

Je psychotischer ich wurde um so gruseliger wurde auch das Dach, die Aussicht wurde zu einer Geschichte, in einer Richtung lag meine Vergangenheit, in einer anderen Richtung mit der Sonne die Zukunft, hinter mir lagen die Verschwörer und vor mir lag das Klinikum. Ich bildete mir ein dass ich bestimmte Orte aus der Aussicht besuchen müsste damit das Spiel „Psychose“ endlich ein Ende haben würde. Natürlich nannte ich es nicht das Spiel „Psychose“, es war nur das Spiel welches die Verschwörer mit mir spielten um mich verrückt zu machen. Ich wollte eine gute Spielerin sein und das Spiel gewinnen, dabei hatte ich es längst verloren, aber das wusste ich noch nicht.

Die Verschwörer schickten mir seltene Vögel die auf dem Haus gegenüber Platz nahmen und mich beobachteten. Außerdem gab es in der Luft Drohnen und Hubschrauber die über mir kreisten. Da waren ADAC Hubschrauber und andere schwarze Hubschrauber die über meinen Kopf flogen, sie überwachten mich, filmten mich wie ich auf den Dach saß. Da wollte ich ihnen auch eine Show bieten und zog kurze Kleider an und machte Gymnastik auf dem Dach, all das waren Botschaften an meine Verschwörer. Die meiste Zeit saß ich jedoch auf dem Dach, kiffte und unterhielt mich mit mir selber. Ich dachte dass ich über einen Spiegel am Schornstein überwacht und abgehört wurde und so begann eine wochenlange Therapie mit mir selber, ich erzählte mein eigenes Leben, erzählte von der schwierigen Beziehung zu meiner Mutter, weinte viel und wurde dabei immer lauter.

Von den Fenstern gegenüber wurde ich misstrauisch beäugt, aber niemand sagte etwas und so saß ich wochenlang auf den Dach und wurde immer verrückter. Manchmal hatte ich nachts das Gefühl ich müsste auf das Dach gehen, denn ich wurde zu einer Therapiesitzung gerufen, das machte ich dann auch und beobachtete die Zeichen um mich herum. Ich überwachte auch die umliegenden Wohnungen in die ich durch Dachluken reinschauen konnte, fast alle Wohnungen waren ok, nur eine Wohnung wirkte verdächtig, ich vermutete den Geheimdienst mit Abhörgeräten in dieser Wohnung. Das Dach wurde dann in rechts KGB und links CIA von mir eingeteilt, sie kämpften um mich in diesen unsagbaren Spiel, aber irgendwie konnte ich mich bei keiner der beiden Seiten als Gewinnerin wähnen.

Sie alle wollten die ehemalige Kinderkriegerin mit den verjüngenden Eiern und der Gabe des Gedankenlesens, keiner von ihnen wollte mich frei lassen. Dabei wollte ich nur das meine Freiheit, ich wollte dem Gefängnis meiner Wohnung entgehen, doch auch auf dem Dach war ich nicht wirklich frei. Ich konnte nicht frei sein, ich konnte ihnen und ihren Misshandlungen nicht entgehen, ich wollte raus aus diesem Spiel, wollte das es endet und so beschloss ich eines Tages einen letzten Joint zu rauchen und zu springen.


Fortsetzung folgt



Siehe auch:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9
Teil 11
Teil 12
Teil 13
Teil 14
Teil 15
Teil 16
Teil 17
Teil 18
Teil 19
Teil 20
Teil 21
Teil 22
Teil 23
Teil 24

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