Die mickrige Taube
| Als ich abends zum S-Bahnhof hoch lief sah ich sie erst gar nicht. Ich lief an ihr vorbei positionierte mich am Ende des Bahnsteiges und blickte die Gleise entlang in die Sonne. Zugdurchfahrt, bitte nicht einsteigen. Ich blickte zur Bahnsteigkante, in der weiß gestrichenen Gefahrenzone saß eine Taube. Sie putzte sich, machte keine Anstalten für die Zugdurchfahrt Platz zu machen. Hat sie Todessehnsucht? Der Zug fuhr ein, keine 2 Zentimeter an ihren Kopf vorbei. Sie lebte und watschelte auf viel zu großen Füßen langsam von der Kante weg und blieb auf der Mitte des Bahnsteigs sitzen. Sie saß im Weg, ging aber auch nicht aus den Weg wenn ein Fuß sich ihr näherte. Ich passte auf sie auf, betrachtete sie genau. Was war los mit der Taube? | |
| Irgendwie wirkte sie deformiert, ihr Schnabel war zu groß, ihre Augen auch, der Kopf wirkte zu klein für den Körper und erst diese riesigen Füße. An ihrem Kopf hingen gelbe Federn, Säuglingsflaum? Ja das war eine plausible Erklärung, es war eine Teenager Taube, eine ziemlich dämliche Teenagertaube ohne Gefühl für Gefahr. Andere Wartende schauten sie auch an, ein Mann täuschte vor er müsste an ihr vorbei, sie ging nicht aus dem Weg, er trat nach ihr. Sie flog, durch den Tritt, einen kleinen Bogen Richtung Geländer, - Arschloch dachte ich. Aber ihr war nichts passiert und der tretende Mann lief ein zweites Mal an mir vorbei, er wollte wohl nur mal eine Taube treten. Mein Zug fuhr ein, ich schaute auf die Taube, am liebsten hätte ich sie mitgenommen, aber was soll ich mit einer Taube? Ich lies sie zurück, ich vermute sie hat den gestrigen Tag nicht überlebt |
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NBerlin - 12. Aug, 12:57

