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Montag, 11. Februar 2008

1400

1400 km bin ich am Wochenende gefahren, tapfer hielt ich mich auf dem Mittelsitz eines Transporters, der weder für meine Hinterndimension noch für meine Beinlänge geeignet war. Wie ich zu der Ehre kam? Meine Mutter hatte eine Küche bei Ebay ersteigert und bot an das sie mich mitnehmen könnte. Nicht ganz uneigennützig wie ich feststellen durfte, als ich Küchenteile trug und in den Transporter einräumte. Mit einem großen Umweg und ein paar Stunden Verspätung setze sie mich dann im Dunklem in Köln ab. Genau drei Minuten blieben mir, um meinen Zug und mein Gleis zu finden. Panik, keine Kohle in der Tasche, kein Fahrschein, doch mir wurde versichert das ich auch noch im Zug ein Ticket mit EC-Karte erwerben könnte. Ich erwischte meinen Zug und auch gleich den Schaffner, den ich sofort über meine Situation informierte. Er meinte nur, kein Problem, setzten sie sich erst mal hin. Als sich der Zug kurz darauf in Bewegung setzte, stand ich beim Schaffner und wedelte mit meiner EC-Karte, er schaute nur und meinte EC-Karten nehmen wir nicht, ich fragte ihn ob ich wieder aussteigen kann. Er fragte nach Kreditkarten, die ich nicht besitze und dann wie viel Bargeld ich denn hätte. Zu wenig, ich hatte noch nicht mal die Hälfte von dem Geld was ich benötigt hätte. Da Aussteigen nicht mehr möglich war und zum Glück die Chemie zwischen uns stimmte, grinste er dann und meinte, dann gib mir was du hast, - dann fährst du halt für die Hälfte. Im nachhinein dachte ich das sein Vorname wohl Valentin gewesen sein muss.

Als das alles geklärt war, hatte ich endlich Zeit, so richtig schön nervös zu werden.
Müde sah ich aus und meine kläglichen Versuche mich nochmal zu schminken scheiterten etwas an zitternden Händen. Eine knappe Stunde später kam ich an meinen Ziel an, ich verabschiedete mich bei Valentin mit einem dicken Lächeln und lief einen kargen Bahnhof entlang. Nix zu sehen, bin ich hier richtig? Ich begutachtete alle anwesenden Männer und fand nicht, am Ende des Gleises sichtete ich dann einen großen Mann, der nervös in sein Handy blickte. Das ist er, warum sollte er sonst so zittern, kalt war es nicht. Er hob seinen Blick und ich sah ein fremdes Gesicht mit sehr bekannten Augen, grün blauen Augen. Wir schlossen uns in die Arme und liefen zur U-Bahn. Obwohl wir uns eigentlich nicht mehr kannten hielten wir Händchen und erzählten wirres Zeug. Fotos, Briefe und alte Erinnerungen wurden ausgetauscht und später auch mehr. Gegen vier war die Erschöpfung zu groß und wir schliefen ein.
Gegen acht waren wir wieder wach. Viele sehr müde Stunden des Glücks folgten bis zum Nachmittag an dem ich dann abgeholt wurde. Weitere sieben Stunden auf dem Mittelsitz bis nach Berlin, dort begrub ich mich dann unter einem Kühlschrank, denn ich vor Müdigkeit wohl doch nicht mehr tragen konnte. Vier Blutergüsse und eine Schürfwunde erzählen davon und danach drehte sich alles nur noch und ich versuchte im Stehen zu schlafen. Man erbarmte sich und fuhr mich nach Hause, wo ich torkelnd vor der Tür stand. Zu Hause, mein Bett, mein Bett, noch ein kurzes Lebenszeichen in den Ruhrpott. Jetzt bin ich wieder wach und immer noch sehr müde, gleich geht es zur Arbeit, aber eigentlich bin ich gar nicht hier.

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Zuletzt aktualisiert: 1. Jan, 16:14