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Montag, 4. Februar 2008

Markus

Wir trafen uns in einem Dorf, ein Dorf in das viele Kinder geschickt wurden, die irgendwie nicht mehr in die Pläne der Eltern passten. Internat nannte sich dieses weitläufige Gelände auf dem die Verstoßenden lebten. Da wir zu den Halbwüchsigen gehörten durften wir ganz oben auf dem Berg leben und unsere Wohnhäuser hatten so wohl klingende Namen wie, A, B, C, etc.
Ich gehörte zu den B-Bratzen, denn das Haus B, war das einzige Mädchenhaus auf dem Berg, nebenan wohnten die A- und C-Jungs. Es wurde viel geflirtet und irgendwann erfuhr ich das Markus mich mochte. Markus war aber alles andere als cool, er war der Prügelknabe des Hauses A und trug immer noch Klamotten, die Mama wohl bei Woolworth gekauft hatte. Spontan war ich also nicht so begeistert. Markus konnte aber etwas, was die anderen Jungs nicht konnten....schreiben. Er schrieb mir täglich Liebesbriefe und Gedichte und einmal die Woche gab es auch Blumen. Diese Romantikblase lies mich bald vergessen, das er eigentlich nicht so cool war, wir wurden ein Paar.
Monatelang ging das, eine Ewigkeit für zwei Teenies, wir hatten viel Spaß auf Wiesen und Feldern und waren überzeugt für immer füreinander bestimmt zu sein. Die Welt war fast perfekt, tja wären da nicht die Aufseher gewesen, die Aufseher die von einem Vögelchen gezwitschert bekamen, das da zwei Minderjährige wohl wilden Sex hatten.
Es kam zu einer Anhörung, denn sowas war natürlich verboten, naiv wie wir waren gestanden wir. Kurz darauf musste ich das Internat verlassen und nicht nur die Schule sondern auch gleich den ganzen Ort. Es war schrecklich, ich heulte und hyperventilierte so das wir sogar mitten auf der Autobahn halten mussten, weil ich kotzen musste und drohte zu kollabieren. DRAMA- BABY! Wir hielten noch einige Monate Briefkontakt, er besuchte mich noch einmal in Berlin und danach wurden die Briefe immer weniger.

Seitdem hatte ich nie wieder von ihm gehört und vereinzelte Internetsuchen brachten auch keinen Erfolg. Das ist jetzt über 15Jahre her und ich habe bis heute Gedichte von ihm in einer speziellen Kiste. Neulich hatte ich wieder mal einen melancholischen Tag und suchte nach alten Namen, aus einem Adressbuch das noch älter ist.
Es lebe das Web2.0! Ich habe ihn gefunden, eine kurze Sicht durch seine Kontakte ließen mich jeden Zweifel verlieren er ist es! Jetzt haben wir Mailkontakt und ich muss sagen ich bin sehr aufgeregt und gleichzeitig erstaunt wie fremd er mir ist, aber eins ist schon mal gut, - er hat mich nicht vergessen. ;-)

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