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Freitag, 4. Mai 2007

Wieviel ist ein reines Gewissen wert?

Wieviel ist ein reines Gewissen wert? Fragte ich mich heute als eine herrenlose Geldbörse auf dem Bürgersteig fand. Bis zu welchen Betrag bleibt man ehrlich? Denn schliesslich ist ein Finderlohn immer freiwillig. Ich packte meinen Fund ein und sichtete später, Kreditkarten, Ausweis, Führerschein, Fahrzeugpapiere, Fotos, Kundenkarten, Telefonnummern und ja 10,50 EUR. Kurzer Gedanke packst du dir die 10EUR ein? Was ist mit den Rest? Wegwerfen? In einen Briefkasten werfen? Zu der Besitzerin hinfahren wäre zu viel Aufwand für mich. Hinter einen Foto fand ich eine Telefonnummer die mit dem gleichen Namen betitelt war wie der Ausweis. Brauchst du wirklich diese 10 EUR? Für die Besitzerin wird es hunderte Euro und viel Zeit kosten bis sie ihre Papiere wieder zusammen hat. Ich rief sie an, schliesslich ist mir sowas auch schon passiert. Sie war sehr erleichtert und in ein Paar Minuten kann sie sich ihre Geldbörse wieder abholen. ;-)

/edit: Es lohnt sich doch, strahlende Augen, den Glauben an das Gute an den Menschen reaktiviert und die 10 EUR habe ich trotzdem bekommen und ein reines Gewissen! ;-)

Der Gang nach Canossa

Der Gang nach Canossa ist abgeschlossen. Mit gesenkten Kopf auf Knien kriechend habe ich es in nur fünf Stunden geschafft, durch mehrere Etapen beim Oberst der Kostenstelle vorzusprechen.
Falls Jemand noch nicht mit der richtigen Demut bei einem Job Center aufschlägt, gewinnt er diese Demut in den mindestens 30min, die er wie eine Kuh auf dem Weg zum Schlachthof, stehend, eingeschirmt von Textilbändern im Zik Zak, mit Körperkontakt vorne und Hinten bei der Anmeldung verbringt. Ich fand ja das alte "Nummer ziehen" System auch nicht so toll, aber wenigstens konnte man sich da mal hinsetzten, eine rauchen oder die Wartezeit anderweitig drausen sinnvoll nutzen. Nach über einer Stunde hatte ich dann mein erstes Gespräch, eine erst grimmig wirkende und dann doch sehr nette Frau hörte sich meine Sorgen an und machte mich dann zum Notfall mit Laufzettel.
Also lief ich los, in die falsche Richtung, ich hatte sie nicht ganz verstanden, dann lief ich wieder zurück und hatte an vier Türen, die alle die falschen waren, Gespräche mit Mitarbeitern des Job Centers die zum Teil hilfreich und zum Teil irre führend waren.
Ich fand trotzdem, weitere ewige Minuten, die ich mit dem Anstarren eines ausgebeulten grauen Linoleum Fußboden verbrachte. Irgendwann winkte eine Frau, an einer ganz anderen Tür, zu der durfte ich dann rein und bekam ein Darlehnen, was ich zwar nicht bezahlen kann, aber mein Problem vorerst löst. Weiter zur nächsten Behörde, finde ich übrigens prima wenn man nur drei Tage vorher Bescheid bekommt, wann man einen Termin hat. Ich hatte heute keinen Termin, aber trotzdem war meine Fallmanagerin für mich da, ich erklärte und erklärte und sie beriet mich auch wegen den Schulden und den Termin nächste Woche bin ich vorerst los. Mir ist schlecht, obwohl die jeweiligen Damen nett waren, ist dieses ganze System extrem erniedrigend und voller Schikanen. Das Warten, das Rumgeschickt werden, keine festen Ansprechpartner haben, die Menschen die mit einen anstehen und irgendwann auch gereizt werden, die Erwartung der jeweiligen Sachbearbeiter das man Kenner des Systems ist, nachdem es einen Niemand erklärt hat....ich hoffe ich finde heute noch mein Lächeln wieder...

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Zuletzt aktualisiert: 1. Jan, 16:14